Donnerstag, 18. Oktober 2018

Stellenabbau Banker sehen Digitalisierung als nächste große Gefahr für ihren Job

4 von 10 deutschen Bankern glauben, dass die Digitalisierung die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes vermindern wird

Seit dem Jahr 2000 ging mehr als ein Viertel der Stellen im deutschen Bankengewerbe verloren. Das Ende ist damit wohl noch nicht erreicht. Die Digitalisierung wird weitere Jobs kosten - und neue Stellen schaffen, wie eine Studie jetzt zeigt.

Ein Job im deutschen Kreditgewerbe ist schon lange keine sichere Bank mehr. Allein in Deutschland gingen seit dem Jahr 2000 rund 188.000 Stellen verloren. Noch immer laborieren viele Banken an den Folgen der Finanzkrise und selbst verschuldeten Fehlern - kaum ein Institut, das nicht Jobs abbaut.

Folgt man einer Umfrage unter deutschen Bankern, ist die Angst vor Arbeitsplatzverlust trotz des teils massiven Stellenabbaus noch lange nicht verflogen. Allerdings sehen die Banker jetzt vor allem die Digitalisierung als nächste große Bedrohung für die Beschäftigung, berichtet die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg.

Allein in der Privatbankenbranche glauben 40 Prozent der Beschäftigten, dass die Digitalisierung in den nächsten zwei Jahren die langfristige Sicherheit ihres Arbeitsplatzes verschlechtern werde. Dies geht aus einer Studie der Bankenarbeitgeber hervor, die Bloomberg vorliegt.

Vor drei Jahren noch hätten lediglich 31 Prozent der Befragten erwartet, dass ihr Arbeitsplatz künftig unsicherer werde. Der Anteil derjenigen, die Verbesserungen erwarteten, sei mit 25 Prozent hingegen konstant geblieben.

Banken schaffen neue Jobs jenseits des klassischen Bankgeschäfts

"Viele Institute verändern derzeit ihre Geschäftsmodelle, Arbeitsplätze gehen durch die Digitalisierung verloren", erklärt Carsten Rogge-Strang, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes für Privatbanken (AGV).

An der Schnittstelle zwischen Banking und IT entstünden auch neue Jobs. Viele davon aber jenseits des klassischen Bankgeschäfts. So stellten die Institute etwa verstärkt Mathematiker ein. Zudem seien Spezialisten für Regulierungs-, Compliance- und Kontrollfunktionen zunehmend gefragt. Entscheidend sei, dass die Bewerber Interesse und Expertise bei der Gestaltung digitaler Transformationsprozesse mitbrächten.

Das sieht auch Matthias Schellenberg so. Der Vorstandsvorsitzende von Merck Finck Privatbankiers warnt im Gespräch mit Bloomberg zugleich vor einer Verteufelung der Digitalisierung: "Wer die Digitalisierung als reines Kostensenkungs- und Stellenabbauprogramm versteht, sieht nicht die Herausforderungen und Chancen." So schaffe Digitalisierung mehr Zeit für die Beratung der Kunden.

Unter dem Strich aber würden die Neueinstellungen den Personalabbau nicht kompensieren, der vor allem durch die Digitalisierung verursacht wird, ist Rogge-Strang überzeugt. Die Zahl der Beschäftigten bei Privatbanken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken, regionalen Kreditgebern und Förderbanken in Deutschland insgesamt schrumpfte laut Bloomberg von rund 775.000 im Jahr 2000 auf rund 586.000 im Jahr 2017.

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