Donnerstag, 24. Mai 2018

Deutsche-Bank-Großinvestor im Zwielicht HNA gefährdet das Finanzsystem - warnt der Finanzier von HNA

Deutsche-Bank-Großaktionär HNA: Das obskure Finanzgeflecht von Chinas Ferieninsel
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Nicht einmal ein Jahr hat der Aufstieg zum wichtigsten Aktionär der wichtigsten deutschen Bank gehalten. Die chinesische HNA-Holding musste in ihrer akuten Liquiditätsnot bereits einen Teil ihres in der Kapitalerhöhung 2017 erworbenen knapp 10-prozentigen Anteils an der Deutschen Bank schon wieder zu Geld machen - was den Aktienkurs weiter drückt.

Doch längst nicht nur Aktionäre der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen sollten sich um die finanzielle Gesundheit des noch immer kaum bekannten 400-Milliarden-Dollar-Kolosses sorgen, suggeriert eine neue Studie der UBS. Sie könnte gleich das ganze Finanzsystem bedrohen, zumindest in China. "Was, wenn die HNA Group der schwarze Schwan für Aktien- und Anleihenmärkte 2018 wird?", lautet der Titel der Analyse aus dem Hongkonger Büro der Schweizer Bank.

Dass chinesische Konzerne in ihrem Expansionsdrang eine gewaltige Schuldenblase aufgepumpt haben, ist eine oft gehörte Warnung. Inzwischen neigt auch die Führung des Landes dazu, selbst scheinbar politisch gut verdrahtete Aufsteiger wie den Versicherungskonzern Anbang vorsichtshalber unter Staatskontrolle zu stellen. Und HNA mit seinem undurchsichtigen Beteiligungsgeflecht und unklarer Eigentümerstruktur dürfte deren Finanzakrobatik noch übertreffen.

Ohne Minderheitsanteile mache das Eigenkapital der HNA Group nur ein Fünftel der Schulden aus, rechnen die UBS-Analysten vor. Der prestigeträchtige Einstieg bei der Deutschen Bank schafft es nur auf Platz 10 der teuersten HNA-Zukäufe im Westen seit 2015. Von Flugzeugleasingfirmen über Hilton Hotels bis zum IT-Distributor Ingram Micro - der Einkaufszettel der Chinesen schien wahllos, solange sich problemlos üppige Schulden zu Niedrigzinsen aufnehmen ließen.

UBS hat HNA begleitet - aber nicht durchleuchtet

Doch das ist vorbei. Manche Anleihen der HNA werden schon zu Renditen von mehr als 30 Prozent gehandelt. Zwar wird nur ein vergleichweiser geringer Teil der Schulden 2018 oder 2019 fällig. Doch Anleger und Gläubiger könnten keine Einsicht in die komplexen Ansprüche aus konzerninternen Darlehen und Garantien zwischen hunderten Firmen nehmen. Das nähre Zweifel, und so könne ein Zahlungsausfall der HNA Group nicht ausgeschlossen werden.

Dann wiederum, argumentieren die UBS-Experten, wäre eine Reihe chinesischer Banken in großer Not - die deshalb kollektive Schwüre zugunsten HNAs abgeben. Unter der Überschrift "Was könnte schiefgehen?" wird schon die ganze Kaskade einer Finanzkrise ausgemalt, ausgehend von dem Konzern, der erst seit kurzem in der internationalen Finanzwelt Furore macht und noch immer nicht wirklich durchschaut wird.

Pikant ist die Studie, weil ausgerechnet die UBS den Chinesen mit einem komplizierten Deal den Einstieg bei der Deutschen Bank finanziert hat. Die Schweizer sollten also genau wissen, mit welchem Kunden sie es zu tun haben - und welches finanzielle Risiko der möglicherweise mit sich trägt.

Doch ebenso wie die Deutsche Bank sich ahnungslos zeigt, wer oder was sich hinter der Bermuda-Holding GAR verbirgt, bei der laut "FT Alphaville" die Eigentümerkette der HNA-verbundenen Unternehmen an den Deutsche-Bank-Anteilen endet, sieht auch die UBS den Konzern als Black Box:

"UBS berichtet nicht über HNA und hat keine Due Diligence zu der Gesellschaft vorgenommen", heißt es in der Studie. Das Raunen über eine mögliche Pleite könne deshalb keine Auskunft über die Wahrscheinlichkeit dieses Ereignisses geben. Man stütze sich nur auf öffentlich verfügbare Finanzinformationen und Medienberichte.

(Anmerkung: UBS legt Wert auf die Feststellung, dass sich die im letzten Absatz zitierten Aussagen lediglich auf das Finanzmarkt-Research der Bank beziehen. Die Investmentbank habe HNA selbstverständlich einer Due Diligence unterzogen, bevor sie die Finanzierung anbot.)

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