Sonntag, 23. September 2018

Fed sieht "bedenkliche Defizite" in der Kapitalplanung Deutsche Bank fällt als einzige Bank beim zweiten US-Stresstest durch

Deutsche Bank an der New Yorker Wall Street

Die Deutsche Bank ist im zweiten Teil ihres Stresstests durch die US-Notenbank Federal Reserve durchgefallen. In einem am Donnerstag nach Börsenschluss veröffentlichten Bericht bemängelt die Fed, dass die Deutsche Bank in den USA in ihren Planungen und internen Abläufen nicht ausreichend für Krisensituationen gewappnet sei.

Es seien "weitverbreitete und bedenkliche Defizite" in allen Bereichen der Kapitalplanung festgestellt worden.

Die Fed konstatierte unter anderem gravierende Mängel in der Datenverarbeitung, den Voraussagen über Einnahmen und Verluste sowie in den internen Kontrollsystemen. Diese Schwächen weckten Besorgnisse hinsichtlich der Fähigkeiten der Deutsche-Bank-Tochter, "ihre Kapitalbedürfnisse auf vorausschauender Basis festzulegen".

Das Urteil ist das Ergebnis jahrelanger Versäumnisse der Deutschen Bank in der Zusammenarbeit mit der US-Notenbank. Mehrfach hatte die Führung der Frankfurter den US-Regulatoren versichert, die internen IT-Systeme in Ordnung zu bringen und rasch die gewünschten Finanzdaten an die Aufseher liefern zu können. Tatsächlich scheiterte die Bank aber immer wieder an ihren eigenen Zusagen, weil sie ihre zerfaserte IT-Infrastruktur zu spät als Gefahrenherd erkannte und mit entsprechenden Investitionen zögerte. Vor allem beim Fed-Gouverneur Daniel Tarullo provozierte die Bank dadurch hartnäckiges Misstrauen - das dieser als Chef der Ober-Finanzaufsicht Financial Institutions Examination Council unter praktisch alle Finanzaufseher der USA streute.

Erster Teil bestanden: Kapitalreserven reichen aus

Den vor einer Woche veröffentlichten ersten Teil des Tests hatte die Deutsche Bank hingegen bestanden. Darin waren die Kapitalreserven für den Fall einer Rezession bewertet worden. Die US-Notenbank gelangte zu dem Schluss, dass die US-Tochter des Instituts - ebenso wie die übrigen 34 getesteten Banken - selbst bei einem schweren Einbruch der Konjunktur und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf zehn Prozent noch immer Geld an Unternehmen oder Privathaushalte verleihen könnten.

Die Deutsche Bank hatte erfreut auf die ersten Ergebnisse des jährlichen Stresstests reagiert. Zu dem negativen Ergebnis des zweiten Testteils stand nun eine Stellungnahme aus der Frankfurter Zentrale zunächst noch aus. Die US-Tochter teilte mit, man habe "bedeutende Investitionen getätigt, um die Kapitalplanung, Kontrollen und Infrastruktur zu verbessern." Am frühen Freitagmorgen legte die Aktie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen um mehr als drei Prozent zu, nachdem sie in den Tagen zuvor stark gefallen war.

Der zweite Teil des Fed-Stresstests legt seinen Schwerpunkt auf die internen Planungsprozesse, mit denen sich die Banken für Krisen wappnen. Die Deutsche Bank in den USA war in dieser Fed-Analyse bereits in den Jahren 2015 und 2016 durchgefallen. Nach eigenen Angaben hatte die US-Notenbank den Test in diesem Jahr noch einmal strenger konzipiert.

Deutsche Bank fällt als einzige der 35 geprüften Banken durch

In diesem Jahr ist die Deutsche Bank die einzige der 35 von der Notenbank geprüften Banken, die bei dem Test versagte. Die praktische Konsequenz für das Institut ist, dass es nun jeden einzelnen seiner Kapitaltransfers an das Mutterhaus in Frankfurt am Main von der Fed genehmigt bekommen muss. Die US-Tochter bekommt von der Notenbank zudem vorgeschrieben, an der Behebung der festgestellten Defizite zu arbeiten.

Allerdings verwarnte die Fed auch Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen und Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen. Die beiden US-Banken dürfen wir Dividenden und Aktienrückkäufe weniger Geld ausgeben als geplant, um ihr Kapital aufzupolstern.

Die Stresstests bei den größten Banken in den USA waren als Reaktion auf die Finanzkrise von 2008 eingeführt worden. Sie sind Teil der sogenannten Dodd-Frank-Reformen, die den US-Finanzsektor gegen weitere Krisen wappnen und damit die US-Steuerzahler vor kostspieligen Bankenrettungen bewahren sollten.

Der zweite Teil des Tests ist die Comprehensive Capital Analysis and Review (CCAR). Hier prüften die Aufseher, wie die Banken ihre Bilanzen und Risiken verwalten, sie blicken also auf Risikomanagement, interne Abläufe und die Strukturen der Institute. Dabei haben die Aufseher auch zu beurteilen, ob gegebenenfalls genügend Reserven für Dividenden oder Aktienrückkäufe vorhanden sind. Ober ob in den USA tätige Auslandstöchter ihrem Mutterkonzern Geld überweisen dürfen, spricht das Kapital nicht im Land bleiben muss.

In den Krisenjahren 2015 und 2016 war die Deutsche Bank bei diesem Test durchgefallen. Wurde seinerzeit nur gut ein Sechstel der Vermögenwerte der Bank in den USA dem Test unterzogen, stressten die Aufseher in diesem Jahr das komplette US-Geschäft mit Vermögenswerten von insgesamt 133 Milliarden Dollar.

Jenseits von pessimistischen Analysteneinschätzungen waren die Perspektiven für das Abschneiden im CCAR dieses Jahr nicht gerade rosig: So hat laut einem FT-Bericht der Einlagensicherungsfonds FDIC den US-amerikanischen Arm der Deutschen Bank als "Problembank" identifiziert und auf eine entsprechende Liste gesetzt, nachdem die Fed die DB USA mit einem schwachen Rating ausgestattet haben soll. Öffentlich sind solche Einstufungen nicht.

Im Grundsatz müssen sich lediglich US-Banken diesem Test unterziehen. Die Deutsche-Bank-Tochter DB USA zählt allerdings zu den großen Instituten in den USA mit einem umfangreichen Geschäft und wird deshalb der Prüfung mit unterzogen.

Die Aktie der Deutschen Bank notierte am Donnerstagnachmittag knapp über 9 Euro leicht im Plus. Tags zuvor war die Aktie auf 8,76 Euro gestürzt und hatte damit den tiefsten Stand seit 35 Jahren markiert. Die Deutsche Bank berge große Risiken, schrieb Analyst Andrew Lim von der Societe Generale in einer Studie. Sie verliere Marktanteile und sei schwach mit Eigenkapital ausgestattet.

rei

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