Sonntag, 16. Dezember 2018

Deutsche Bank Vorstand streicht Tausende Jobs - und sich selbst dann lieber doch den Bonus

Deutsche-Bank-Vorstandschef John Cryan.

Nach der Fusion der Deutschen Bank mit der Postbank steht ein großer Stellenabbau bevor. Zusammen beschäftigen die Geldhäuser im Geschäft mit Privatkunden und kleineren Firmen derzeit rund 30 000 Menschen. Etwa 6000 Jobs, also etwa ein Fünftel, könnte wegfallen, berichtet die "Welt am Sonntag".

Demnach sollen in den kommenden vier Jahren jeweils 1500 Mitarbeiter über freiwillige Abfindungsprogramme und natürliche Fluktuation das Unternehmen verlassen. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Mitte 2021 ausgeschlossen.

Der Vorstand der Deutschen Bank, die insgesamt noch rund 100 000 Menschen beschäftigt, steht nach andauernden Verlustmeldungen unter enormem Erfolgsdruck ihrer Aktionäre. Nun versucht das Gremium unter Vorstandschef John Cryan, nicht auch noch die Kunden gegen sich aufzubringen. In den USA kündigte Cryan an, die Vorstandsmitglieder würden auf ihren Bonus für 2017 verzichten. "Wir sind bereit, auf den Bonus zu verzichten", zitiert ihn die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Dass der Vorstand sich die Extrazahlung trotz des erneuten Verlusts in 2017 genehmigen wollte, hatte zu großer öffentlicher Empörung geführt.

Nicht verzichten müssen allerdings die Deutsch-Banker auf anderen Hierarchieebenen: Wie ebenfalls die "FAZ" berichtet, wird die Bank ihren Beschäftigten für 2017 trotz des dritten Jahresverlustes in Folge Boni in Höhe von insgesamt rund zwei Milliarden Euro zahlen. Etwa die Hälfte davon gehe an Investmentbanker, zitiert die Zeitung aus Kreisen des Unternehmens. Eine Sprecherin habe die Informationen nicht kommentieren wollen.

Die Informationen zum geplanten Stellenabbau dementierte der Dax-Konzern indes nicht. Vize-Vorstandschef Christian Sewing sagte der "Welt am Sonntag": "Konkrete Maßnahmen zum Mitarbeiterabbau kommunizieren wir immer dann, wenn wir ein Etappenziel erreicht und es mit den Arbeitnehmervertretern abgestimmt haben." Es sei allerdings völlig klar, dass die Banken Doppelfunktionen abbauen werden. Genaueres werde nach der juristischen Verschmelzung beider Banken im zweiten Quartal entschieden.

"Die Integration wird gelingen"

Zweifel, dass die Integration der Postbank scheitern könnte, wies Sewing zurück. Die Integration werde gelingen. "Weil der gemeinsame Wille dafür da ist und weil wir mit der Verschmelzung der Banken einen neuen Ansatz haben, der die Strukturen und Unternehmensführung deutlich vereinfachen wird, wenn wir aus den beiden Banken eine machen", sagte er. Einen Kulturunterschied zwischen den beiden Geldhäusern gebe es nicht.

Durch die Zusammenlegung der Banken werden vor allem in den beiden Zentralen in Bonn und Frankfurt am Main viele Stellen überflüssig. Die Deutsche Bank will durch die Integration ab 2022 jährlich rund 900 Millionen Euro Kosten einsparen. Der Umbau wird das Geldhaus rund 1,9 Milliarden Euro kosten. Durch die Integration der Postbank in die Deutsche Bank entsteht ein neuer Riese im Privat- und Firmenkundengeschäft mit rund 20 Millionen Kunden und einem Kundenvermögen von 325 Milliarden Euro.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH