Sonntag, 11. Dezember 2016

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Neue Klage im Devisenskandal Deutsche Bank soll Schummel-Software eingesetzt haben

Deutsche Bank in Frankfurt: Verdacht auf Schummel-Software in einer Handelsplattform

Neuer Ärger für die Deutsche Bank im Devisenskandal: Nach einem Vorabbericht des SPIEGEL steht der Verdacht im Raum, das Geldhaus habe in seine elektronische Handelsplattform "Autobahn" Schummel-Software eingebaut, um sich selbst zulasten seiner Kunden zu bereichern. Diesen Vorwurf erhebe die amerikanische Kanzlei Hausfeld in einer Sammelklage, die sie kurz vor Weihnachten bei einem New Yorker Gericht eingereicht habe, berichtete das Magazin am Freitag. Demnach beantragte die Deutsche Bank bei dem Gericht, die Klage zurückzuweisen. Ein Sprecher des Instituts wollte sich auf Nachfrage nicht zur Sache äußern.

Konkret geht es laut SPIEGEL um den Vorwurf, die Bank habe "Autobahn" so programmiert, dass sich die Ausführung von Kundenaufträgen unnötig verzögert. Diese Zeit habe sie genutzt, um Aufträge zurückzuweisen, wenn sich der Markt in eine für sie ungünstige Richtung entwickelte. In anderen Fällen habe sie Aufträge zu einem schlechteren als dem zuvor angezeigten Kurs ausgeführt.

Weltweit untersuchen Aufseher schon seit längerem, ob Großbanken am billionenschweren Devisenmarkt getrickst haben, um Gewinne einzustreichen - ähnlich wie im Zinsskandal. Einige Häuser haben in der Affäre milliardenschwere Vergleiche geschlossen. Die Deutsche Bank zählt nicht dazu, obwohl sie einer der größten Devisenhändler der Welt ist. Sie hat wiederholt beteuert, mit den Aufsehern zusammenzuarbeiten. Auch diese schauen sich die Algorithmen der elektronischen Handelsplattform "Autobahn" bereits genauer an.

Eine interne Untersuchung der Deutschen Bank hat nach Angaben aus Finanzkreisen bislang keinerlei Hinweise auf Tricksereien bei den großen Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen ergeben, wohl aber vereinzelt beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso. Einige Händler wurden vom Dienst suspendiert. Der Devisenskandal rangiert Insidern zufolge inzwischen nicht mehr ganz oben auf der Liste jener Rechtsstreitigkeiten, die die Bank derzeit am meisten umtreiben. Das sind eher US-Hypothekenklagen, wo noch Strafzahlungen ausstehen.

Aber auch in Sachen Devisenskandal sind die Hausjuristen trotzdem gut beschäftigt: Aus dem Zwischenbericht zum dritten Quartal geht hervor, dass die Deutsche Bank im Zusammenhang mit dem Devisenskandal bereits Beklagte in mehreren als Sammelklage bezeichneten Verfahren in den USA ist.


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