Mittwoch, 24. Mai 2017

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Nie wieder "Leistung aus Leidenschaft" Deutschbanker erzählen ihre Geschichten

John Cryan will sich auch mit einem neuen Markenauftritt von seinen Vorgängern lösen. Die Kampagne startete am Montag mit einer E-Mail des Chefs an alle Mitarbeiter

Keine perfekten Models mehr in einer perfekten Welt. Die Deutsche Bank ersetzt ihren Slogan "Leistung aus Leidenschaft" durch eine neue Kampagne. Echte Mitarbeiter sollen wahre Geschichten erzählen - und so auch ein wenig wieder ihren Stolz zurückerlangen.

Die Deutsche Bank bemüht sich nach einer Serie von Skandalen um ein besseres Image. Der über Jahre geltende Slogan "Leistung aus Leidenschaft" wird einer neuen Markenkampagne weichen, für die Deutschlands größtes Geldhaus nach eigenen Angaben am Montag zunächst intern den Startschuss gab.

Statt eines Slogans oder Spruchs gibt es nur noch einen Hashtag: #PositiveImpact oder auf Deutsch #PositiverBeitrag.

In verschiedensten Formaten wolle der Konzern zeigen, dass die Mitarbeiter "für unsere Kunden und für die Gesellschaft einen positiven Beitrag leisten wollen, dass sie viel Positives bewirken", sagt Markenchefin Lareena Hilton im Interview mit dem Branchendienstes turi2.

Der alte Slogan sei ein sehr guter gewesen, nun aber Vergangenheit. "Anders als früher wollen wir von Vertrauen nicht reden - wir wollen uns das Vertrauen verdienen." Es werde eine Kampagne "mit echten Mitarbeitern, echten Kunden und wahren Geschichten", ergänzt Kommunikationschef Jörg Eigendorf im gleichen Interview.

Im Intranet der Bank sollen zunächst etwa 300 Kollegen und Kolleginnen beispielhaft ihre persönliche Geschichte erzählen oder berichten, wie sie konkret einem Kunden helfen konnten - dafür sollten mitunter auch ein paar kurze Sätze reichen. Darauf könnten später dann die rund 100.000 Mitarbeiter weltweit reagieren, sich beteiligen und in einen Dialog treten.

"Wir wollen uns das Vertrauen verdienen": Markenchefin Lareena Hilton und Unternehmenssprecher Jörg Eigendorf von der Deutschen Bank
DBACE, Mario Andreya / Deutsche Bank
"Wir wollen uns das Vertrauen verdienen": Markenchefin Lareena Hilton und Unternehmenssprecher Jörg Eigendorf von der Deutschen Bank

Also künftig keine Bilder mehr von perfekten Models in einer perfekten Welt, sondern Bilder und Geschichten geerdeter Mitarbeiter. Die neue Kampagne, die später ebenso extern greifen soll, verfolge damit auch ein internes Ziel, macht Hilton klar: "Unsere Kolleginnen und Kollegen haben ein paar wirklich harte Jahre hinter sich. Die Kampagne hilft ihnen hoffentlich, wieder stolz auf ihre Arbeit zu sein."

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Dass die Deutsche Bank an einem neuen Markenauftritt arbeitet, hatte Konzernchef John Cryan Anfang Februar bekräftigt. Cryan kam im Juni 2015 als Sanierer und drückte beim Abarbeiten der juristischen Altlasten aufs Tempo: Zinsmanipulation, dubiose Hypothekendeals, Geldwäsche-Vorwürfe. Im Namen des Vorstandes entschuldigte sich der Brite öffentlich für die "Verfehlungen der Vergangenheit".

Nun bricht Cryan auch beim Markenauftritt mit seinen Vorgängern - zumal der bisherige Slogan wegen der vielen Negativschlagzeilen etwa von Aktionären ohnehin immer wieder gegen die Bank gewendet wurde: "Leistung, die Leiden schafft".

Mit dem Versuch, über einen neuen Markenauftritt Vertrauen zurückzugewinnen, ist die Deutsche Bank in bester Gesellschaft: Die in der Finanzkrise mit Steuermilliarden gerettete Commerzbank kehrte von "Gemeinsam mehr erreichen" zu ihrem alten Werbeauftritt "Die Bank an Ihrer Seite" zurück.

rei mit dpa-afx

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