Montag, 5. Dezember 2016

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Kurssturz seit Jahresbeginn Deutsche Bank verliert mehr als ein Viertel an Börsenwert

Dax 2016: Die Gewinner und Verlierer im Dax
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DPA

Tiefer geht's nimmer? Doch. Nachdem die Deutsche Bank am späten Mittwochabend mit Eckdaten für das vergangene Jahr einen Milliardenverlust ausgewiesen hat, bricht die Aktie am Donnerstag weiter ein. Die Anleger reagieren mit Verkäufen auf die schlechten Zahlen.

Die Aktien der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen stürzten am Vormittag um mehr als 8 Prozent auf 16,29 Euro und notierten damit so niedrig wie zuletzt im März 2009. Das Tagestief lag bei 16,03 Euro.

Seit Jahresbeginn ist die Aktie von Deutschlands größtem Geldhaus damit um mehr als 27 Prozent gefallen. Der Börsenwert der Deutschen Bank hat sich damit also seit Anfang Januar um mehr als ein Viertel reduziert. Zwar haben auch die Aktien anderer Dax-Konzerne seit Jahresbeginn kräftig Federn gelassen, allen voran die Papiere der Autokonzerne, aber die Deutsche Bank weist mit dem jüngsten Kursrutsch definitiv die schlechteste Bilanz auf.

Händler meinten in ersten Reaktionen, man könne es positiv sehen, dass es vorerst keine Kapitalerhöhung geben würde. Allerdings seien die Ergebnisse tatsächlich sehr schlecht. Die Analysten der Citigroup senkten ihre Gewinnschätzungen für 2015 um 17 Prozent. Ihre "neutrale" Anlageempfehlung ergänzten sie um ein "High Risk" und nahmen zudem das Kursziel auf 20 von 27 Euro zurück.

Am Abend zuvor hatte die Deutsche Bank überraschend mitgeteilt, 2015 habe sich wegen hoher Ausgaben für Rechtsstreitigkeiten, Kosten für den laufenden Konzernumbau und Stellenstreichungen ein Verlust von rund 6,7 Milliarden Euro nach Steuern angehäuft.

Weitere 1,2 Milliarden Euro Rückstellungen im vierten Quartal

Experten hatten zwar wegen der bekannten Ankündigung von Abschreibungen im Investmentbanking und im Privatkundengeschäft, Rückstellungen für juristische Auseinandersetzungen und Abfindungen bereits mit einem dicken Minus gerechnet. Sie hatten dabei aber ein Minus von etwas mehr als fünf Milliarden Euro auf dem Zettel. "Wenn nicht ein Wunder passiert, werden wir einen Verlust für 2015 ausweisen", hatte Co-Chef John Cryan schon Ende Oktober angekündigt. Für 2014 hatte das Institut noch rund 1,7 Milliarden Euro Gewinn ausgewiesen - mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.

Zu den bereits bekannten Kosten und Aufwendungen kommen im vierten Quartal weitere 1,2 Milliarden Euro für Rückstellungen, um die Folgen früherer Geschäfte juristisch zu beenden. Insgesamt sieht der Dax -Konzern hierfür 5,2 Milliarden Euro vor, eine weitere Milliarde Euro für den Jobabbau. Zudem drücken die Probleme im Privatkundengeschäft, in dem sich das Institut im laufenden Jahr unter anderem von der Postbank trennen will, auf das Ergebnis. Es herrschten "herausfordernde Marktbedingungen".

John Cryan: Der Chef der Deutschen Bank packt weitere schlechte Nachrichten in das letzte Quartal. Analysten fragen sich angesichts der Schrumpfkur zugleich, wie die Deutsche Bank noch dauerhaft Geld verdienen will.

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