Mittwoch, 20. September 2017

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Geldhaus unter Druck Deutsche Bank - Gewinn schnellt hoch, Kurs bricht ein

Unzufrieden trotz Gewinnsteigerung: Deutsche-Bank-Chef Cryan

Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen verdient trotz Rückgängen im wichtigen Kapitalmarktgeschäft wieder mehr Geld. Das Vorsteuerergebnis verdoppelte sich im zweiten Quartal auf 822 Millionen Euro, wie das Institut am Donnerstag mitteilte. Dabei half vor allem der laufende Sparkurs. Unter dem Strich standen 466 Millionen Gewinn zu Buche.

Vorstandschef John Cryan ist mit dem Ergebnis dennoch nicht zufrieden: "Trotz der deutlichen Verbesserung bleibt dieser Gewinn hinter unserem langfristigen Anspruch zurück", sagte der Brite. Das Vorjahresquartal war - unter anderem belastet durch Rechtsstreitigkeiten - ein sehr schwaches gewesen. Für die Bank geht es nun nach der Sanierung darum, wieder Kunden zurück zu gewinnen und Marktanteile zu gewinnen.

"Bei den Erträgen sind wir noch nicht überall dort wo wir sein wollen", sagte Cryan. Dies habe vor allem an der Zurückhaltung vieler Kunden an den Finanzmärkten gelegen.

An der Börse herrschte nach Bekanntgabe der Zahlen Ernüchterung: Die Aktie gab am Donnerstag zeitweise um 4 Prozent nach, der größte Tagesverlust seit mehreren Wochen.

Mit ihrem Quartalsergebnis übertraf die Bank zwar die Erwartungen des Kapitalmarktes deutlich. Dennoch offenbaren viele Sparten der Deutschen Bank Schwäche - Anleger hatten gehofft, dass es unabhängig von den ersten positiven Effekten des harten Sparkurses auch operativ bereits wieder besser läuft. Diese Hoffnung wurde mit Blick auf die meisten wichtigen Geschäftsfelder enttäuscht.

Erträge im Investmentbanking sinken um 16 Prozent

Bremsspuren in der Quartalsbilanz zeigten sich vor allem im Geschäft mit Firmenkunden und im Investmentbanking, wo die Erträge um 16 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro fielen. Die Erträge im Beratungs- und Emissionsgeschäft - normalerweise ein starker Posten in der Bilanz - sanken um 7 Prozent auf 563 Millionen Euro, hauptsächlich bedingt durch ein schwaches Geschäft bei der Emission von Anleihen.

Devisen- und Anleihehandel schwach

Auch eine andere Stütze des Geschäfts in guten Zeiten musste ein kräftiges Minus verkraften. Wegen der mauen Handelsaktivität vieler Kunden an den Anleihe- und Devisenmärkten gaben die Erträge in diesem Bereich ähnlich wie bei den großen US-Konkurrenten der Deutschen Bank im zweiten Quartal um 12 Prozent auf 1,1 Prozent kräftig nach. Vor allen der Handel mit ausländischen Währungen schwächelte. Der Aktienhandel musste ein Ertragsminus von mehr als einem Viertel hinnehmen.

Erträge in der Vermögensverwaltung gesunken

Die Erträge in der Vermögensverwaltung waren im zweiten Quartal mit 676 Millionen Euro um vier Prozent niedriger als vor Jahresfrist. Die Bank will einen Teil des unter dem Namen "Deutsche Asset Management" firmierenden Geschäfts an die Börse bringen. Wie Reuters am Mittwoch erfahren hatte, dürfte dieser Schritt allerdings erst im kommenden Jahr konkreter werden.

Rückstellungen aufgelöst

Geholfen hat der Bank im zweiten Quartal unter anderem das Kreditgeschäft. Die Risikovorsorge sank um 70 Prozent, was der Auflösung von Rückstellungen und einem insgesamt günstigeren Umfeld bei Privat- und Firmenkrediten geschuldet war. Das Portfolie von Unternehmenskrediten habe sich zudem "auf breiter Basis" erholt, teilte das Institut mit. Auch beim Abbau der hohen Kosten kam die Bank voran: sie sanken von April bis Ende Juni um sechs Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig nahm die Belegschaft weiter ab. Ende Juni arbeiteten weltweit noch rund 96.700 Menschen in Vollzeit für die Deutsche Bank - ein Rückgang binnen Jahresfrist um rund 4700.

cr/rtr

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