Freitag, 9. Dezember 2016

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Liborskandal Deutsche Bank rechnet mit Milliardenstrafe

"Man versucht weiter alles, um das Thema bis Jahresende vom Tisch zu kriegen": Die Deutsche Bank sucht im Liborskandal eine Einigung mit den Aufsichtsbehörden der USA und in Großbritannien

Im Skandal um manipulierte Referenzzinsen wie den Libor rechnet die Deutsche Bank mit einer weiteren Strafe von rund einer Milliarde Euro. Das Institut hat dafür seine Rückstellungen erhöht, was die Bilanz im dritten Quartal belasten dürfte.

Frankfurt/Washington - Die Deutsche Bank stellt sich im Skandal um Zinsmanipulationen auf eine weitere Strafe von fast einer Milliarde Euro ein. Mit den angelsächsischen Regulierern bahnt sich in der Affäre ein Vergleich an, wie Reuters von mehreren mit der Sache vertrauten Personen am Freitag erfuhr.

Die Verhandlungen mit den Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien seien fortgeschritten. "Man versucht weiter alles, um das Thema bis Jahresende vom Tisch zu kriegen", sagte einer der Insider. Deutschlands größtes Geldhaus habe hierfür inzwischen fast eine Milliarde Euro zurückgelegt. Das entspricht in etwa den bisherigen Schätzungen von Analysten.

Eine informierte Person betonte, am Ende liege es in den Händen der Regulierer, wann der Vergleich unterzeichnet werde. Die Deutsche Bank wollte sich zu den Informationen nicht äußern. Ein Sprecher des US-Justizministeriums, einer der federführenden Aufsichtsbehörden, lehnte ebenfalls einen Kommentar ab.

In den Skandal um Zinsmanipulationen sind Großbanken weltweit verstrickt. Einzelne Händler hatten sich nach Erkenntnissen der Regulierer bei wichtigen Referenzzinsen wie dem Libor und dem Euribor abgesprochen, um Handelsgewinne einzustreichen. Die EU hat ihre Strafen bereits Ende vergangenen Jahres verhängt: Der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen wurden damals 725 Millionen Euro aufgebrummt.

Höhere Libor-Vorsorge dürfte drittes Quartal belasten

Die britischen und die US-amerikanischen Behörden arbeiteten bei der Aufklärung der Affäre Hand in Hand und verhängten zuletzt Strafen gegen eine Bank nach der anderen. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat eine Sonderprüfung bei der Deutschen Bank wegen der Zinstricksereien gestartet. Die Ergebnisse stehen aber noch aus.

Je konkreter der Vergleich jetzt verhandelt werde, desto mehr habe die Bank ein Gefühl für die Abschlussrechnung bekommen, sagte einer der Insider. Daher sei die Libor-Vorsorge noch einmal aufgestockt worden, was sich auch in den gesamten Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten im dritten Quartal zeigen werde. Die Bank schlüsselt nicht auf, wieviel sie genau für die einzelnen Streitigkeiten zurücklegt, aber der Libor-Fall gehört zu den größten.

Die Analystenschätzungen für die Libor-Strafe reichten bislang von 800 Millionen Euro bis 1,3 Milliarden Euro. Insgesamt hatte die Deutsche Bank zum Ende des ersten Halbjahres 2,2 Milliarden Euro für potenzielle Strafzahlungen zurückgelegt. Das Geldhaus steht auch im Visier der US-Behörden wegen mutmaßlicher Sanktionsverstöße und ist zudem in den weltweiten Devisenskandal verstrickt.

rei/rtr

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