Freitag, 27. April 2018

Deutsche Bank Paul Achleitner will offenbar John Cryan absetzen

John Cryan (links) ist bei Chefaufseher Paul Achleitner offenbar nicht mehr gut gelitten. Cryans Vertrag läuft noch bis zum Jahr 2020.

Drei Verlustjahre in Folge, Rückschläge beim Sanierungskurs, Aktienkurs im Keller - John Cryans Erfolgsbilanz bei der Deutschen Bank ist übersichtlich. Jetzt sucht die Bank offenbar einen Nachfolger für ihren Vorstandschef. Gleich drei Kandidaten habe Chefaufseher Paul Achleitner im Blick - der Favorit habe aber bereits abgesagt, berichtet die "Times".

Die krisengeschüttelte Deutsche Bank sucht einem Bericht der britischen Zeitung "Times" zufolge einen Ersatz für Konzernchef John Cryan. Wegen der anhaltend schlechten Geschäfte bei Deutschlands größtem Geldhaus gebe es eine Auseinandersetzung zwischen dem 57-jährigen Briten und Aufsichtsratschef Paul Achleitner über die Strategie der Bank, berichtete die "Times" am Dienstag auf ihrer Webseite.

Die Aktien der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen reagierten am Morgen mit Gewinnen auf die Spekulationen. Die Papiere gewannen rund 3 Prozent hinzu.

"Es ist klar, dass das Verhältnis zwischen dem Vorstandschef und dem Aufsichtsratschef zerbrochen ist", zitiert die Zeitung einen Insider. Als möglichen Nachfolger habe die Deutsche Bank Goldman-Sachs-Vize-Chairman Richard Gnodde angesprochen, berichtete die Zeitung. Gnodde habe allerdings abgelehnt. Der Südafrikaner spielt seit Jahren auch eine tragende Rolle beim schärfsten Konkurrenten der Deutschen Bank in deren Heimatmarkt: Gnodde ist Aufsichtsrat der Goldman Sachs AG und verantwortlich für die Bestellung der Deutschland-Chefs. Die Deutsche Bank war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Der "Times" zufolge waren auch Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier und Bill Winters, Chef der britischen Bank Standard Chartered als mögliche Kandidaten für den Chefposten bei der Deutschen Bank im Gespräch.

John Cryan, der 2015 als Nachfolger von Anshu Jain angetreten war, die Deutsche Bank aus der Krise zu holen, hat in den vergangenen Monaten auf seinem Sanierungskurs mehrere Rückschläge hinnehmen müssen. Im Januar zerstreute er mit einer Gewinnwarnung alle Hoffnungen, dass das Geldhaus nach zwei Jahren Dauerkrise wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen könnte.

2017 meldete die Deutsche Bank vor allem wegen der US-Steuerreform das dritte Verlustjahr in Folge. Doch auch das operative Geschäft im Anleihehandel und im Investmentbanking läuft nach wie vor nicht rund. Vergangene Woche bereitete die Bank ihre Anleger auf ein schwaches erstes Quartal vor. Aussagen von Finanzchef James von Moltke über Belastungen von 450 Millionen Euro im Investmentbanking schickten die Aktien der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen auf Talfahrt.

Hinzu kommt die öffentliche Diskussion über die mehr als zwei Milliarden Euro an Boni, die die Bank ihren Mitarbeitern trotz der Verluste für 2017 zahlt. Immer wieder war Kritik einzelner Investoren an dem Vorstandschef laut geworden, doch Cryan genießt auch einen Ruf als Aufräumer.

Cryan hat in der Vergangenheit seine Performance auch als notwendige Sanierungsarbeit verteidigt, die allerdings zu spät begonnen habe - ein Versäumnis seiner direkten Vorgänger Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Mehr aber noch von Josef Ackermann, der bis Mitte 2012 Chef der Deutschen Bank war.

"Wir wären heute in besserer Verfassung, wenn wir das, was wir in den vergangenen zwei Jahren erledigt haben, schon vor sechs oder sieben Jahren getan hätten", hatte Cryan im vergangenen Sommer gesagt. Doch die Geduld mit dem Briten scheint nun aufgebraucht zu sein.

rei/Reuters

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH