Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Clinch zwischen Paul Achleitner und John Cryan Deutsche-Bank-Spitze streitet über Umgang mit Großaktionär

Deutsche Bank CEO Cryan (li), Aufseher Achleitner

Der Vorstandschef der Deutschen Bank, John Cryan, hat es bisher offenbar nicht für nötig gehalten, den neuen Großaktionär aus China persönlich zu treffen. Chefaufseher Paul Achleitner ist darüber verärgert.

Mehr als ein halbes Jahr nach dem groß angelegten Einstieg des chinesischen Mischkonzerns HNA bei der Deutschen Bank sind sich die Spitzen der beiden Unternehmen noch nicht persönlich begegnet. Deutsche-Bank-Chef John Cryan habe HNA-Chef Adam Tan bislang nicht getroffen, bestätigte eine Sprecherin der Deutschen Bank am Sonntag in Frankfurt. "Aber natürlich wird er das."

Das "Wall Street Journal" hatte zuvor unter Berufung auf eingeweihte Personen berichtet, dass Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner verärgert darüber sei, dass Cryan dem chinesischen Hauptaktionär die kalte Schulter zeige. Die Banksprecherin wollte den Bericht nicht weiter kommentieren.

HNA war Anfang des Jahres groß bei der Deutschen Bank eingestiegen und hatte angekündigt, das Management als Anker-Aktionär unterstützen zu wollen. Bankchef Cryan baut das von Rechtsstreitigkeiten mitgenommene Traditionshaus um und sammelte dafür am Kapitalmarkt acht Milliarden Euro an frischem Geld ein. Der chinesische Mischkonzern zog bei dieser Kapitalerhöhung mit und stockte seine Beteiligung auf. Nach letzten Daten hält HNA mit 9,9 Prozent den größten Anteil an der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen noch vor der Beteiligungsgesellschaft Blackrock sowie Katar.

HNA ist umstritten. Angesichts zahlreicher Deals in der jüngeren Vergangenheit wurde vermehrt die Frage gestellt, wie sich der vor allem in der Touristik und der Luftfahrt engagierte Konzern eigentlich finanziert und wer die Fäden in der Hand hält. So beteiligten sich die Chinesen etwa an der Hotelkette Hilton Börsen-Chart zeigen, am Schweizer Duty-free-Konzern Dufry und am Hunsrück-Flughafen Hahn. Zuletzt wurde ihnen in einem Medienbericht auch ein Interesse an einem Einstieg beim Münchener Versicherungskonzern Allianz Börsen-Chart zeigen nachgesagt.

Die europäische Bankenaufsicht innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB) erwägt angesichts der Undurchsichtigkeit von HNA und dessen gleichzeitig großen Einfluss auf Deutschlands wichtigstes Geldinstitut ein so genanntes Inhaberkontrollverfahren. Sollte die EZB danach Zweifel an den lauteren Motiven von HNA haben, könnte sie den Chinesen beispielsweise die Stimmrechte auf der Hauptversammlung entziehen.

Skepsis provozieren die Chinesen vor allem durch ihre unklare Eigentümerstruktur. So gilt Gründer Chen Feng zwar als bestimmende Figur, ohne dass aber die Höhe seines Anteils klar wäre. Das Unternehmen selbst schweigt dazu. Die US-Banken Bank of America (BofA) und Goldman Sachs hatten wegen derlei offener Fragen unlängst die Arbeit für die Chinesen eingestellt. "Wir wissen einfach nicht, was wir nicht wissen, und wir sind nicht bereit, das Risiko zu tragen", zitierte die "New York Times" aus einer internen Mail der BofA.

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rei/dpa-afx

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