Mittwoch, 17. Oktober 2018

Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Achleitner über den Rauswurf von John Cryan "Es haperte bei der Geschwindigkeit"

Achleitner (rechts) über Cryan: "Es haperte bei der Geschwindigkeit"

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, Paul Achleitner, hat in einem Interview harte Kritik am abgesetzten Chef John Cryan geübt. Zwar habe Cryan sich um die Deutsche Bank "verdient gemacht" und "große Entscheidungen" wie zum Beispiel die Kapitalerhöhung im vergangenen Jahr durchgesetzt. Allerdings "haperte es bei der Geschwindigkeit, wie der Vorstand Entscheidungen trifft und deren Umsetzung durchsetzt", sagte Paul Achleitner in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Dienstagausgabe).

Achleitner machte sein Urteil unter anderem an der Entwicklung des Aktienkurses fest: Habe dieser vor einem Jahr noch bei 17 Euro gelegen, sei er vergangene Woche unter 11 Euro gerutscht.

Chefkontrolleur Achleitner verteidigte gegenüber der Zeitung seine eigene Rolle bei der Entwicklung des Geldhauses: "Die strategische und operative Verantwortung liegt beim Vorstand. Aufgabe des Aufsichtsrats ist es, zu beaufsichtigen und, ob die Strategie umgesetzt wird, Rat zu geben und gegebenenfalls personelle Konsequenzen zu ziehen. Und hier hat der Aufsichtsrat dem Vorstand und natürlich auch dem Vorsitzenden John Cryan frühzeitig die notwendigen Fragen gestellt."

Er selber interessiere sich für das Bankgeschäft, würde sich aber nicht einmischen und damit gegen den Geist des Aktiengesetzes verstoßen. "Ich führe durch Fragen", so Achleitner.

Zum neuen Vorstandschef Christian Sewing, einem Eigengewächs der Deutschen Bank, sagte Achleitner, dieser kenne die Bank "wie kaum ein anderer". Sewing sei ein "durchsetzungsstarker Manager mit langjähriger internationaler Erfahrung." Einen solchen Chef brauche die Deutsche Bank jetzt. Man solle derzeit auch "nicht so viel über Strategie sprechen", sondern sich erst einmal "auf die Umsetzung konzentrieren."

Achleitner nutzte das Gespräch mit der FAZ auch, um seine umstrittene Entscheidung, den als Boni-Ritter bekannten John Thain als Kandidat für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank zu gewinnen, zu verteidigen. Der Aufsichtsrat brauche "Mitglieder mit langer Erfahrung in der internationalen Finanzbranche", so Achleitner.

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Und er setzt hinzu: "In New York und London sprechen mich viele Leute darauf an, wie es mir gelungen ist, Thain für diese Aufgabe zu gewinnen, (...) Wenn Sie in stürmischer See sind, habe ich lieber einen erfahrenen Seemann an der Seite als einen Wochenendsegler."

la/dpa/reuters

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