Mittwoch, 7. Dezember 2016

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Oppenheim-Esch-Prozess Deutsche Bank kassiert zweite Niederlage gegen Oppenheim-Esch-Kläger

Deutsche Bank: Mit der Übernahme von Sal. Oppenheim haben sich die Deutschbanker jede Menge juristischen Ärger eingefangen - und ausgerechnet ein Ex-Mitarbeiter hat nun rund sechs Millionen Euro Schadenersatz erstritten

Fast uneinholbar lag die Deutsche Bank in den zahlreichen Prozessen mit Oppenheim-Esch-Fondsinvestoren schon vorn. Nun könnte ein neues Urteil den Trend umkehren. Erstritten hat es ausgerechnet ein Ex-Deutschbanker - und profitieren könnte der derzeit klamme Thomas Middelhoff.

Köln - Die Liste der Geschlagenen liest sich wie das Who-is-Who der deutschen Wirtschaftselite: die Schuhhandelsdynastie Deichmann, der Milliardenerbe Wilhelm von Finck jr., Ex-SGL-Carbon-Boss Robert Köhler, die Kölner Verlegerfamilie Neven DuMont oder ein Spross der Reimann-Familie, die den Konsumgüterriesen Reckitt Benckiser (Calgon, Clearasil) kontrolliert. Sie alle fordern von der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen Geld zurück, das sie durch Anlagen in geschlossene Immobilienfonds des Bankhauses Sal. Oppenheim und des Troisdorfer Unternehmers Josef Esch verloren haben.

Sie fühlen sich falsch beraten. Aber sie alle unterlagen mit ihren Klagen erstinstanzlich vor Gericht. Nun jedoch dürfte den einen oder anderen die Hoffnung beschleichen, dass sich vielleicht doch noch die eine oder andere Million aus den Tresoren von Deutschlands größter Bank heraus prozessieren lässt.

Die 21. Zivilkammer des Landgerichts Köln hat einem Kläger in einem Urteil gut sechs Millionen Euro zugesprochen - zahlen muss die Deutsche-Bank-Tochter Sal. Oppenheim, teilweise indem sie zwei Darlehen des Klägers auf eigene Kosten ablöst.

Und damit nicht genug für die prozesserprobten Frankfurter Banker: Der Vorsitzende Richter Stefan Singbartl und seine zwei Kollegen befinden auch noch über vier weitere Klagen von Oppenheim-Esch-Investoren, darunter die Händlerfamilie Kreke (Douglas) und Ex-Arcandor-Boss Thomas Middelhoff. Zumindest in einem weiteren Verfahren dürfte das Gericht ebenfalls gegen die Deutsche Bank urteilen, wie die Kammer anlässlich der Urteilsverkündung in Köln am heutigen Dienstag bereits deutlich machte.

Ex-Vorstand von DB-Invest brockt Deutscher Bank eine Niederlage ein

Eingebrockt hat der Deutschen Bank die Niederlage pikanterweise ein Ex-Mitarbeiter. Kläger Axel Pfeil war einst Vorstand der Deutsche-Bank-Tochter DB-Invest. Pfeil hatte in einen Fonds investiert, der eine Immobilie in Potsdam für Karstadt umbaute und an den Warenhauskonzern vermietete. Durch die Pleite von Arcandor (wie Karstadt seit 2007 hieß) im Jahr 2009 geriet das Investment in Schieflage.

Pfeil argumentierte vor Gericht, er sei von Sal. Oppenheim vor der Zeichnung über zentrale Elemente des Fonds nicht angemessen aufgeklärt worden. Persönlich beraten worden war Pfeil unter anderem von Christopher Freiherr von Oppenheim, damals einer der Persönlich Haftenden Gesellschafter der Kölner Privatbank. Die Bank bestritt im Prozess jegliche Fehlberatung.

Sal. Oppenheim hatte einst gemeinsam mit der Esch-Gruppe an die 60 geschlossene Immobilienfonds aufgelegt und so etwa vier Milliarden Euro in prestigeträchtige Projekte wie die Kölnarena oder den Sitz des TV-Senders RTL in der Domstadt investiert. Dazu unterhielt das Bankhaus gemeinsam mit Esch diverse Firmen.

Viele Kläger halten der Bank heute vor, das System sei intransparent gewesen, und sie seien über die zahlreichen Verflechtungen innerhalb des Oppenheim-Esch-Gewebes nicht aufgeklärt worden. Sal. Oppenheim hat das stets bestritten.

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