Montag, 23. Oktober 2017

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Aufholjagd vor den Quartalszahlen Deutsche Bank im Höhenflug - wie lange noch?

Frühlingsgefühle: Macrons Erstrundensieg beflügelt die Deutsche-Bank-Aktie. Zudem meldet das Institut am Donnerstag seine Geschäftszahlen

Die Erleichterung der Anleger über den Ausgang der ersten Runde der Frankreich-Wahlen hat in dieser Woche vor allem Bankenaktien angetrieben. Der europäische Branchenindex schnellte am Montag um 6,3 Prozent nach oben und erreichte mit 133,21 Punkten den höchsten Stand seit 17 Monaten. Aktien der Commerzbank Börsen-Chart zeigen und der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen legten zum Wochenstart jeweils fast 10 Prozent zu. Auch die Papiere französischer, italienischer und spanischer Institute zogen kräftig an. Societe Generale sprangen auf ein Sechs-Jahreshoch.

Goldman setzt auf Europas Banken

Finanzwerte profitieren vor allem davon, dass der EU-Befürworter Emmanuel Macron im ersten Wahlgang die meisten Stimmen auf sich vereinigt hat und nun auch in der Stichwahl die größten Chancen hat. Der Sieg Macrons ist aus Sicht des Analysten Jernej Omahen von Goldman Sachs positiv für europäischen Finanzwerte. Dabei dürften die deutschen, französischen und italienischen Banken besonders kräftig zulegen, so Goldman Sachs: Die Furcht, die Euro-Zone könnte nach einem Wahlsieg Le Pens zerbrechen, hatte vor allem europäische Finanzinstitute in den vergangenen Wochen belastet.

Macron, Kapitalerhöhung abgeschlossen, Quartalszahlen: 3 Treiber für die Deutsche Bank

Die Aktien der Deutschen Bank profitierten zudem von einer Empfehlung von Macquarie. Analyst Piers Brown stufte die Papiere von "Underperform" auf "Outperform" hoch. Die mittlerweile abgeschlossene Kapitalerhöhung stärke die Bilanz der Bank und die angestrebten Kostenverbesserungen hätten mehr Glaubwürdigkeit als in der Vergangenheit, schrieb der Experte in einer Studie.

Bei der Deutschen Bank wächst außerdem die Zuversicht auf bessere Zeiten. Die größten Brocken teurer Rechtslasten sind abgearbeitet, im Tagesgeschäft lief es Anfang 2017 wieder besser. Für das Gesamtjahr hat der Vorstand um Konzernchef John Cryan ein ehrgeiziges Ziel: Nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten soll Deutschlands führendes Geldinstitut wieder schwarze Zahlen schreiben.

Deutsche Bank will 2017 wieder schwarze Zahlen schreiben

An diesem Donnerstag (27.04.) informiert der deutsche Branchenprimus, wie es in den ersten drei Monaten 2017 gelaufen ist. Ein Jahr zuvor hatte das Auftaktquartal überraschend gute Ergebnisse gebracht: 236 Millionen Euro Überschuss standen damals in den Büchern, Analysten hatten seinerzeit mit 300 Millionen Euro Verlust gerechnet.

Der starke Vergleichszeitraum - hier insbesondere der März - macht es der Deutschen Bank nun aber schwer, die damaligen Ergebnisse zu übertreffen. Die Erträge einzelner Segmente bis Mitte März seien etwas geringer ausgefallen, hatte das Geldhaus vor einem Monat erklärt. Insgesamt habe man aber einen guten Start in das erste Quartal 2017 erwischt.

Vor allem der Anleihenhandel war demnach stärker - viele Anleger schichteten angesichts der politisch unsicheren Lage ihre Depots um.

US-Banken steigern Gewinne

Schon die US-Konkurrenz (mit Ausnahme von Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen) profitierte zuletzt vom regen Handel mit Anleihen sowie von einer rund laufenden US-Wirtschaft samt steigenden Zinsen. Die großen Wall-Street-Häuser fuhren Milliardengewinne im ersten Quartal ein. Auch die Deutsche Bank will sich ihr Stück vom lukrativen US-Kuchen sichern, wie Cryan erst kürzlich bekräftigte: "Klar ist, dass die Vereinigten Staaten für uns als Bank weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Hier wächst die Wirtschaft besonders dynamisch, die Margen für Banken sind weiterhin hoch."

Gerade hat sich die Deutsche Bank acht Milliarden Euro frisches Kapital bei Investoren besorgt. Das soll letzte Zweifel an der Solidität des Instituts beseitigen und Wachstumschancen eröffnen. "Wir haben dank der gestärkten Bilanz auch Kapazitäten für mehr Geschäft. Deshalb können wir wieder gezielt wachsen", erklärte Cryan.

Umbau der Deutschen Bank geht weiter

Allerdings: Der eigene Umbau ist noch längst nicht abgeschlossen. Die Bonner Tochter Postbank soll entgegen früheren Plänen nicht verkauft, sondern in das Privat- und Firmenkundengeschäft eingegliedert werden. Zudem will die Deutsche Bank Teile ihrer Vermögensverwaltung an die Börse bringen. So soll frisches Geld in die Kasse kommen.

Bereits zuvor hatte das Management die Weichen für den Abbau Tausender Stellen gestellt: Bis 2018 sollen weltweit unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze wegfallen, davon 4000 in Deutschland. Das Filialnetz schrumpft. "Wir haben noch etwas zu tun bei der Restrukturierung in Deutschland", hatte Cryan Anfang März gesagt. Es gebe aber "gute Perspektiven" im hiesigen Markt. Ende 2016 hatte die Deutsche Bank weltweit 99.744 Vollzeitkräfte, davon 44.600 in Deutschland. Die Postbank allein kam auf 18.100 Beschäftigte

la/dpa/reuters

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