Sonntag, 24. Juni 2018

Deutsche-Bank-Aktie stürzt ab Sewing wirbt für Neustart - Aktionäre glauben nicht mehr dran

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: ""Der Stellenabbau ist unvermeidlich, wenn unsere Bank   nachhaltig profitabel werden soll"
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Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: ""Der Stellenabbau ist unvermeidlich, wenn unsere Bank nachhaltig profitabel werden soll"

Deutsche Bank Chef Christian Sewing verteidigt seinen drastischen Sparkurs. Die Aktie beschleunigt jedoch ihren Kurssturz. Die Kritik an Aufsichtsratschef Paul Achleitner wird unterdessen immer lauter.

20.46 Uhr: Aufsichtsratschef Paul Achleitner beendet das Treffen der Aktionäre nach fast elf Stunden. "Danke an alle, die hier Sitzfleisch bewiesen haben", sagt er in einer so gut wie leeren Festhalle. 2017 hatte die Hauptversammlung fast genauso lange gedauert, 2016 deutlich länger. Zuvor hatten die Aktionäre noch gegen einen Antrag gestimmt, Achleitner als Aufsichtsrat abzuberufen - für diesen Vorschlag wurden 9,05 Prozent der Stimmen abgegeben, dagegen 90,95 Prozent.

18.55 Uhr: Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef John Cryan bekommt auch nach seiner Entlassung im April noch Geld. Er erhalte ein vertragliche Karenzentschädigung von 2,21 Millionen Euro, die in zwölf Monatsraten ausgezahlt würden, sagt Aufsichtsratschef Paul Achleitner auf die Frage eines Aktionärs. Dafür gebe es zwölf Monate Wettbewerbsverbot. Zudem hat Cryan während seiner Zeit bei der Deutschen Bank Pensionszusagen erworben.

18.30 Uhr: Mehr als acht Stunden nach Beginn der Hauptversammlung hat der letzte Aktionär seine Rede beendet. Zahlreiche Aktionäre sind nicht zu ihrer Wortmeldung angetreten. Die Rednerliste ist abgearbeitet, stellt Aufsichtsratschef Paul Achleitner fest.

17.40 Uhr: Ein erstes Fazit: Trotz der immer lauter werdenden Kritik an seiner Amtsführung kann Deutsche-Bank-Chefaufseher Paul Achleitner mit Entlastung rechnen - vor allem die Großaktionäre aus China und Katar dürften ihm in der Stunde der Not die Treue halten, weil sie nicht noch mehr Unruhe gebrauchen können. Achleitner könnte der Bank einen Dienst erweisen, wenn er rasch einen Nachfolger aufbaut, kommentiert unser Kollege Tim Bartz.

Der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat unterdessen für eine weitere Sanierungsrunde geworben: Die Zahl der derzeit rund 97.000 Vollzeitstellen bei der Deutschen Bank soll "deutlich unter 90.000" sinken. Dies sei unvermeidlich, wenn die Bank wieder nachhaltig profitabel werden soll.

Den Deutsche Bank Aktionären fehlt jedoch das Vertrauen, dass der Neustart der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigengelingt. Die Aktie brach am Tag der Hauptversammlung erneut ein und näherte sich wieder der Marke von 10 Euro. Unter diese Marke war sie im Herbst 2016 kurzzeitig gefallen als Zweifel an der Überlebensfähigkeit der Bank aufgekommen waren. Auf Sewing kommt noch viel Arbeit zu.

16.45 Uhr: Der Dax fällt, und die Aktie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen baut am Index-Ende ihre Kursverluste noch einmal kräftig aus. Zuletzt notierte das Papier nur noch bei 10,25 Euro und damit auf dem tiefsten Stand seit 18 Monaten. Morgen notiert die Aktie mit einem Dividendenabschlag von 11 Cent - dann rückt die Marke von 10 Euro wieder in gefährliche Nähe.

15.00 Uhr: Die Frage- und Antwort-Runde hat begonnen. Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment fragt, wie viele führende Investmentbanker die Bank im vergangenen Jahr verlassen haben. Im Jahr 2017 seien es etwa 100 gewesen, so die Antwort. Das sind knapp 8 Prozent der Beschäftigten in der Sparte.

14.40 Uhr: Hans-Christoph Hirt von der großen britischen Aktionärsberatung Hermes fordert eine "effektivere" Führung des Aufsichtsrats, also: Weg mit Paul Achleitner. Hirt fährt fort: Achleitner sei mitverantwortlich für strategische Kehrtwenden und einen Zickzackkurs der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren. Zahlreiche große Baustellen wie das Investmentbanking seien nicht ausreichend bearbeitet worden. Außerdem habe es unter Achleitner zu viele Wechsel im Vorstand gegeben.

Dass er Achleitners Amtsführung für unzureichend hält, hatte Hirt zuvor schon angekündigt. Die Frage ist allerdings, wie viele der institutionellen Investoren seiner Kritik folgen. Vor allem die Großaktionäre Cerberus aus den USA, HNA aus China und die katarischen Cousins der Herrscherfamilie al-Thani halten sich bedeckt.

14.30 Uhr: Die größte, bedeutendste und wertvollste Bank der Euro-Zone hält ihre Hauptversammlung ab: die BNP Paribas in Paris. Dort wird Bankchef Laurent Bonnafé auf die zeitgleich tagende Deutsche Bank angesprochen: ob er diese für eine Übernahme "analysiere".

Bonnafés Antwort: "In der absehbaren Zukunft beabsichtigt die Gruppe keine großen Operationen, weil es nicht möglich ist." Die BNP Paribas hat einen mehr als dreimal so hohen Börsenwert wie die Deutsche Bank, gemeinsam haben die beiden Konzerne immerhin einen ihrer Gründer. Aber: "Wir können uns nicht transformieren, modernisieren und unser Geschäft expandieren, während wir uns mit Dingen wie großen Übernahmen beschäftigen."

14.15 Uhr: Markus Kienle vom Aktionärsverein SdK sieht die aktuelle Bankführung nicht so gnädig wie DSW-Kollege Nieding. "Sie sitzen seit 2015 im Vorstand", hält er Sewing vor. "Was haben Sie getan?" Er werde wegen der miserablen Ergebnisse weder Vorstand noch Aufsichtsrat entlasten - aber auch nicht Achleitner abwählen.

14 Uhr: Die kulturelle Identität treibt die Deutsche Bank mächtiger um denn je. Christian Sewing beschwört die internationale Ausrichtung, Paul Achleitner beschwört das traditionell große Verständnis der Bank für den deutschen Markt. Als Beleg führt er unter anderem an, "dass 75 Prozent der Mitglieder des Aufsichtsrats aus dem deutschsprachigen Raum kommen".

Die Zahl führt allerdings in die Irre: Die Arbeitnehmerseite ist naturgemäß komplett deutsch besetzt. Auf der Kapitalseite des Aufsichtsrats mit zehn Sitzen stellen die Deutschen nach der Hauptversammlung nur noch die drittstärkste Nation: Platz 1 nimmt Österreich ein (Paul Achleitner, Gerd Alexander Schütz, Gerhard Eschelbeck, der allerdings auch die US-Staatsbürgerschaft innehat), zahlenmäßig gleichauf mit Großbritannien (Richard Meddings, Katherine Garrett-Cox, Michele Trogni), dann kommen zahlenmäßig ebenfalls gleichauf die USA (John Thain, Mayree Clark) und eben Deutschland (Norbert Winkeljohann, Stefan Simon).

Das ist dann weder ein Beleg für die deutsche noch für die internationale Identität der Bank, sondern lediglich für die westliche. Der ganze Rest der Welt könnte vielleicht noch einen Tick stärker repräsentiert sein. Asien zum Beispiel ist insgesamt doch kräftig im Kommen. Vielleicht könnte ja Österreich einen Platz abgeben.

Deutsche Bank Aktie nur noch knapp über 10 Euro

13.45 Uhr: Die Aktie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen rutscht weiter ab: mit einem Tagesverlust von mehr als 4 Prozent auf 10,41 Euro - das größte Minus unter den Dax-Werten. Das ist der tiefste Stand seit 18 Monaten. Ex Dividende wird die Aktie erst morgen gehandelt - bei einer Auszahlung von 11 Cent beträgt der Dividendenabschlag dann 11 Cent. Der Deutschen Bank droht damit einmal mehr der Sturz unter die 10-Euro-Marke.

13.40 Uhr: Deka Investment verliert die Geduld mit dem Kontrollgremium. Der Vermögensverwalter der Sparkassen werde "gegen die Entlastung des Aufsichtsrats stimmen, da der Umbau der Bank nun schon sechs Jahre andauert - erschwert durch diverse Strategiewechsel und immer erst sehr spätem Eingreifen", kündigt deren Vertreter Andreas Thomae an. Deka unterstütze aber die neue Strategie. Unzufrieden zeigt sich Thomae unter anderem mit der Kursentwicklung: "Der Aktienkurs gleicht der Fahrt in einer Geisterbahn, bei der hinter jeder Kurve eine unangenehme Überraschung lauert."

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