Freitag, 27. April 2018

"Kaputtes Unternehmen" Deutsche-Bank-Vorständin droht Abschied nach Eklat auf Führungskräfte-Treffen

Vorzeigefrau: Kim Hammonds auf der Pressekonferenz 2016 kurz nach ihrer Berufung in den Vorstand mit CEO John Cryan (r.) und dem damaligen Finanzvorstand Marcus Schenck (l.) sowie dem inzwischen ausgeschiedenen, damaligen Co-CEO JürgenFitschen.

Die Zukunft einer Schlüsselperson bei der Sanierung der Deutschen Bank steht auf der Kippe. Kim Hammonds, Vorständin und IT-Chefin der Deutschen Bank, muss nach umstrittenen Äußerungen ihren Arbeitgeber über ihren Verbleib im Führungsgremium bangen. "Es wird eng", hieß es am Montag von einem der größten Aktionäre des Instituts. "Wer in einer solchen Position so schlecht über den eigenen Arbeitgeber spricht, dürfte kaum haltbar sein." Ein anderer Großinvestor äußerte sich ähnlich.

Hammonds ist innerhalb weniger Tage bereits der zweite Top-Manager der Deutschen Bank, der seinen Arbeitgeber durch unbedachte Äußerungen in Not bringt. Anfang vergangener Woche hatte Finanzvorstand James von Moltke auf einer Konferenz vor Investoren gesagt, dass zwar derzeit die Marktbedingungen für das Kerngeschäft Investmentbanking erfreulich seien - nur für seinen Arbeitgeber nicht. Man werde das gute Ergebnis des Vorjahresquartals voraussichtlich nicht halten können. Die Aktie der Deutschen Bank hat seitdem mehr als 11 Prozent an Wert verloren. Der Dax insgesamt gab in dieser Zeit nur um rund 4 Prozent nach.

Hammonds hatte laut "Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung" bei einer Tagung der Führungskräfte des größten deutschen Geldhauses gesagt, die Bank sei die "most disfunctional company", für das sie je gearbeitet habe. "Disfunctional" kann übersetzt werden mit "kaputt", "unbrauchbar", "unfähig".

Hammonds und die Kommunikations-Abteilung der Bank versuchten sich über das Wochenende in Schadensbegrenzung. In einem Interview, das die Sprecher mit dem "Handelsblatt" organisierten, durfte Hammonds eine Zwischenbilanz ihrer Arbeit geben. Ihre These von der "most disfunctional company" bestätigte sie zwar nicht, dementierte sie aber auch nicht.

Stattdessen sagte sie, die Situation bei der Deutschen Bank sei "noch komplexer" als bei ihren früheren Arbeitgebern, "was nicht wirklich erstaunlich ist - schließlich sind wir eine globale Bank in einer schwierigen Transformation. Diese Komplexität verringern wir seit nunmehr drei Jahren - wir kommen dabei gut voran, aber es muss schneller gehen." Unter ihrer Ägide sei die Zahl der IT-Systeme von 45 auf 32 reduziert worden, die deutlich stabiler liefen als früher. Das Ziel seien nur noch vier Systeme.

Die Diskussion um die Leistungsfähigkeit der IT der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen hatte vor drei Jahren Vorstandschef John Cryan öffentlich angestoßen. Kurz nach seinem Amtsantritt im Juli 2015 hatte er die Computersysteme des Instituts als "lausig" bezeichnet und dafür intern viel Kritik einstecken müssen. Hammonds Äußerungen auf der Führungskräftetagung hätten einen besonderen Beigeschmack, weil sie ja schon vor Jahren gerade dafür angetreten sei, um den schlechten Zustand der IT zu beheben, hieß es von einem Großinvestor.

Aufsichtsratschef Paul Achleitner werde nun zu entscheiden haben, ob Hammonds im Amt bleiben könne, nachdem ihre Meinung über die Bank öffentlich geworden sei. Dass ihr Vertrag, der noch bis zum kommenden Jahr läuft, verlängert werde, sei "nun aber eher schwer vorstellbar", sagte ein Insider, der nicht namentlich genannt werden wollte. Normalerweise beginnen die Gespräche über eine Verlängerung des Engagements von Vorständen etwa ein Jahr im Voraus. Hammonds war 2013 nach Stationen bei Ford, Dell und Boeing als IT-Chefin zur Deutschen Bank gekommen und dann 2016 als "Chief Operating Officer" in den Vorstand eingezogen.

mg/rtr

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