Donnerstag, 15. November 2018

Neue Argumente gegen Postbank-Verkauf Wie die Deutsche Bank langsamer und zugleich ehrgeiziger wird

Logos von Deutscher und Postbank: Erst vereint, dann mühsam getrennt - und jetzt doch wieder nicht?

Zwei widersprüchliche Signale hat der Vorstand der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen an diesem Mittwoch gesendet. Einerseits muss die Bank in ihrer Sanierung wohl an Tempo zulegen. Andererseits hat sie dazu wohl alle Zeit der Welt.

Das erste Signal stammt von Bankchef John Cryan: "Sollte es bei diesem schwachen wirtschaftlichen Umfeld bleiben, müssen wir bei unserem Umbau noch ehrgeiziger werden", kommentierte er die Geschäftszahlen zum ersten Quartal in einem Brief an die Mitarbeiter.

Der Gewinn ist nahezu auf null gesunken, und das, obwohl kaum noch Rechtskosten anfielen - jedenfalls verglichen mit den Milliardenlasten der Vorjahre.

Das zweite Signal geht von Finanzvorstand Marcus Schenck aus. "Einige glauben, dass wir die Postbank 2017 verkaufen müssen. Das ist nicht der Fall", sagte er Analysten. Zwar ist der - seit der gerade erst vollendeten operativen Trennung jederzeit denkbare - Verkauf ein Kernstück der "Strategie 2020", um die Kapitalquote zu verbessern. Die Regulierer lassen die strengen Auflagen laut Schenck aber erst später in Kraft treten.

Modell der Universalbank light fällt am Markt durch

Auch wenn die konzerneigenen Finanzziele so meilenweit entfernt erscheinen wie eh und je, also: Eile mit Weile?

Beide Signale zusammen ergeben einen Gleichklang, wenn man die Meldung vom "Projekt Jade" aus dem aktuellen manager magazin liest. Intern prüfen die Manager demnach, ob man die "Strategie 2020" nach einem Jahr schon wieder umwerfen solle. Statt nur die Postbank zu verkaufen, lieber gleich den einst verworfenen radikalen Schnitt wagen und die gesamte Bank zweiteilen.

Diese Überlegung ist einerseits aus der Not geboren, dass das bisher gewählte Modell der Universalbank light am Markt durchfällt - siehe die aktuellen Geschäftszahlen. Andererseits ist der abermalige Kurswechsel nur möglich, wenn die Bank Zeit für den Umbau gewinnt.

Wenn das so ist (der europäische Stresstest dürfte am Freitag einen weiteren Hinweis liefern), wie CFO Schenck sagt, dann könnte Cryan durchaus den Verkauf der Postbank auf die lange Bank schieben und zugleich beim Umbau ehrgeiziger werden.

Lesen Sie auch: Was für die Spaltung der Deutschen Bank spricht

Geheimprojekt "Jade" - die aktuellen Planspiele der Deutschen Bank (mm 8/2016)


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