Samstag, 23. September 2017

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Umfrage unter 83.000 Beschäftigten Es rumort gewaltig unter Deutsche-Bank-Mitarbeitern

John Cryan verspricht Gewinne für das laufende Jahr: Doch bekommt er die miese Stimmung und Abwanderungsgedanken Tausender Mitarbeiter wieder in Griff?

John Cryan rechnet in diesem Jahr fest mit einem Gewinn. Der Deutsche-Bank-Chef versichert zugleich, er wolle noch "für lange Zeit" bei dem Institut bleiben. Für viele Mitarbeiter gilt das wohl nicht. In der Belegschaft der Deutschen Bank rumort es gewaltig, zeigt eine interne Umfrage.

Nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten rechnet Deutsche-Bank-Chef John Cryan 2017 mit einem Gewinn. "Ich erwarte nicht, dass wir in diesem Jahr einen Verlust machen", bekräftigte Cryan im Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" (Donnerstag). Schon bei der Bilanzvorlage im Februar hatte sich Cryan ähnlich geäußert.

Seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren drückt der Brite beim Abbau teurer Rechtsstreitigkeiten aufs Tempo, auch die Schließung von Filialen und der Abbau Tausender Stellen sollen Deutschlands größtes Geldhaus wieder flott machen. Damit schafft er nach einer internen Mitarbeiterumfrage, deren Ergebnisse der "FAZ" vorliegen, offensichtlich viel Verdruss.

"Leider sind immer mehr von Ihnen unsicher, ob Sie Ihre berufliche Zukunft in der Bank sehen", schreiben Cryan und Personalvorstand Karl von Rohr in einem Brief an die Mitarbeiter, der manager-magazin.de vorliegt. Das "bereitet uns große Sorgen". Ansonsten betont das Schreiben vor allem die Fortschritte im Neuaufbau der Bank.

Zur Integration der Bonner Tochter Postbank ins Privatkundengeschäft der Deutschen Bank führe der Vorstand intensive Gespräche mit Betriebsräten, Gewerkschaften und der Finanzaufsicht, sagte Cryan der "Zeit". Mit der Veröffentlichung konkreter Schritte sei "frühestens Ende dieses Jahres" zu rechnen.

"Wir wären heute in besserer Verfassung, wenn wir das, was wir in den vergangenen zwei Jahren erledigt haben, schon vor sechs oder sieben Jahren getan hätten", sagte Cryan der Zeitung. "Andere Häuser nahmen schon 2010 oder 2011 große Veränderungen in Angriff", so Cryan weiter

Der Manager, der seit Mitte 2015 im Amt ist, versicherte abermals, länger an der Spitze des Geldinstituts bleiben zu wollen: "Seien Sie sich gewiss: Ich habe nicht vor, irgendwo anders hinzugehen - und zwar für lange Zeit."

Viele Mitarbeiter sind unzufrieden und verunsichert

Ob das für alle anderen Mitarbeiter der Bank gilt, scheint im Moment zweifelhaft. In einer internen Umfrage der Bank gaben nach einem Bericht der "FAZ" gut drei Viertel der teilnehmenden Mitarbeiter an, sie seien nicht sicher, ob sie in drei Jahren noch für die Bank arbeiten wollten.

40 Prozent der Teilnehmer hätten angegeben, dass sie ihre Leistungen nicht ausreichend honoriert sähen. An der Umfrage haben fast die Hälfte der 83.000 Mitarbeiter (ohne Postbank) zwischen April und Mai teilgenommen.

Laut FAZ nähmen es viele Deutschbanker ihrem Arbeitgeber übel, dass er ihnen die Boni kräftig zusammengestrichen habe. Die Bank hatte nach zwei Milliardenverlusten in Folge die variable Vergütung der Mitarbeiter für das Jahr 2016 um mehr als drei Viertel gekürzt. Zudem seien viele der Angestellten verunsichert, wie sich der erneute Strategieschwenk, den Cryan im März eingeläutet hatte, auf ihre eigene Rolle in der Bank auswirken werde.

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In dem Bericht heißt es weiter, nur noch gut die Hälfte der Mitarbeiter habe angegeben, stolz darauf zu sein, bei der Deutschen Bank zu arbeiten. Das sei etwa das gleiche Niveau wie im Vorjahr, aber deutlich weniger als in früheren Umfragen. Auch die Verbundenheit zum Unternehmen verharre auf niedrigem Stand.

rei/ak/dpa

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