Montag, 25. September 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Vergütungsbericht Deutsche Bank halbiert die Zahl seiner Millionen-Verdiener

John Cryan: Mit 3,8 Millionen Euro zählte Deutsche-Bank-Chef mit zu den am schwächsten bezahlten Dax-30-Chefs im vergangenen Jahr

Viele Top-Verdiener bei der Deutschen Bank müssen den Gürtel enger schnallen. In Zeiten der Krise hat sich die Zahl der Spitzenkräfte, die mehr als eine Million Euro verdienen, im vergangenen Jahr mehr als halbiert. John Cryan macht derweil gut Wetter bei den Aktionären.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat auch im vergangenen Jahr nicht zu den Spitzenverdienern im Dax gehört. Der Brite verzichtete wie seine Vorstandskollegen auf alle Boni und bekam nur sein Grundgehalt von 3,8 Millionen Euro ausgezahlt. Das geht aus dem am Montag veröffentlichten Vergütungsbericht hervor. Weniger verdienten nach bisher vorliegenden Zahlen von 26 Unternehmen aus dem Dax nur die Vorstandschefs von Eon, Infineon und der Lufthansa.

Cryans Vorgänger Anshu Jain und Josef Ackermann hatten zeitweise zweistellige Millionenbeträge erhalten. Die Zeiten haben sich geändert: Auch wenn das Jahr 2017 optimal laufen sollte, liegt die Gehaltsobergrenze bei der Deutschen Bank bei 9,85 Millionen Euro je Vorstand. Insgesamt kostete der Vorstand Deutschlands größte Bank im vergangenen Jahr 25,8 (2015: 22,7) Millionen Euro.

Das neue Vergütungssystem für die Deutsche-Bank-Manager war auf der Hauptversammlung im Mai 2016 durchgefallen, weil es den Aktionären zu komplex und undurchsichtig war. Aufsichtsratschef Paul Achleitner nimmt nun einen neuen Anlauf. Die Entwicklung des Aktienkurses im Vergleich zur Konkurrenz soll dabei eine deutlich geringere Rolle spielen als bisher, stattdessen werden die Vorstände am Kapitalzuwachs gemessen.

Erstmals seit Jahren weniger als 100.000 Mitarbeiter

Mit dem Boni-Verzicht reagierte der Vorstand auf die drastische Kürzung der variablen Vergütungen für den Rest der Belegschaft. Insgesamt wurden die Boni um 77 Prozent auf rund 500 Millionen Euro zusammengestrichen. Die gesamten Personalkosten gingen dadurch um 1,6 Milliarden auf 8,9 Milliarden Euro zurück.

316 Deutsch-Banker verdienten 2016 mindestens eine Million Euro, ein Jahr zuvor waren es noch 756. Die beiden Spitzenverdiener lagen laut Vergütungsbericht zwischen sechs und sieben Millionen Euro. Auch noch nach der Finanzkrise hatte die Deutsche Bank einigen Investmentbankern zweistellige Millionensummen gezahlt.

Zum ersten Mal seit Jahren beschäftigt die Deutsche Bank weniger als 100.000 Mitarbeiter, obwohl im Controlling und in Überwachungs-Funktionen neue Stellen geschaffen wurden und ausgelagerte Aufgaben in den Konzern zurückgeholt wurden. Die Mitarbeiterzahl sank 2016 um 1360 auf 99.744. Der größte Teil des Stellenabbaus steht der Deutschen Bank noch bevor. Mit der Wiedereingliederung der Postbank dürfte er nochmals verschärft werden.

Seite 1 von 2
Nachrichtenticker

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH