Donnerstag, 18. Oktober 2018

Deutsche Bank riskiert Vergleich mit USA John Cryans gefährliche Provokation

Banker als "Slumlords": Wie die USA Großbanken rannehmen
AFP

Eine erholte Rückkehr aus dem Sommerurlaub wünsche er allen Kollegen bei der Deutschen Bank. Er selbst habe mit seiner Frau ein wunderbares Konzert der Berliner Philharmoniker mit Werken von Gustav Mahler und Pierre Boulez genossen, schrieb John Cryan. Für entrückt konnte man diese Einlassungen auch damals, am Montag, halten - oder für ein konstruktives Bemühen um die Rückkehr zur Normalität. Aber seit Donnerstagabend stammen sie definitiv aus einer anderen Welt.

Der besonnene, sachliche Manager, der alle Probleme nacheinander einer Lösung zuführt, hat plötzlich ein anderes Gesicht bekommen. Trotzig und provokant weist er die 14-Milliarden-Dollar-Forderung des US-Justizministeriums (DOJ) wegen des Anteils der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen an der Finanzkrise zurück.

"Auf keinen Fall" werde die Bank "auch nur annähernd der genannten Zahl" zustimmen, heißt es in ihrer Mitteilung.

Wer kann sich noch ohne Gesichtsverlust einigen?

Führt man auf diese Art eine Verhandlung zu einem guten Ergebnis? Natürlich verlangt das DOJ im ersten Vorschlag viel, und die Deutsche Bank will weniger zahlen. Hinter verschlossenen Türen könnte man pokern und sich schließlich gütlich einigen. Diese Aussicht, die doch schon so nah schien, hat die Frankfurter Seite mit ihrer scharfen Replik jetzt mutwillig aufs Spiel gesetzt.

Dass die Zahl 14 Milliarden im "Wall Street Journal" auftauchte, hat die Position der Deutschen schon erheblich geschwächt. Allenfalls mit ein paar Milliarden weniger als Ergebnis hätten die Verhandler sich noch ohne Gesichtsverlust präsentieren können.

Nach der Antwort aus Frankfurt jedoch ist noch schwerer vorstellbar, wie ein Kompromiss aussehen könnte. Die Ansprüche der Gegenseite öffentlich zu attackieren, das ist in dieser Situation mindestens unvorsichtig, wahrscheinlich aber gefährlich.

Cryans Leute stellen die Amerikaner als unverschämt dar. Und ungerecht - so wird das Verlangen nach einer niedrigen Strafe zu einer moralischen Prinzipienfrage erhoben, die ebenfalls keine Bewegung mehr zulässt. Die Deutsche Bank erwarte "ein Verhandlungsergebnis, das im Bereich ihrer Wettbewerber liegt".

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