Dienstag, 21. November 2017

Großaktionäre kritisieren Deutsche-Bank-Chef "John Cryan ist nicht mehr der Richtige"

Großinvestoren kritisieren zusehends Deutsche-Bank-Chef John Cryan

Ist John Cryan noch der Richtige an der Spitze der Deutschen Bank? Großaktionäre zweifeln zusehends daran und machen dies - anonym - öffentlich.

Wichtige Aktionäre der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigenerhöhen den Druck auf Vorstandschef John Cryan. Bereits Ende März hatte das manager magazin berichtet, dass die Berufung seiner beiden Stellvertreter Marcus Schenck und Christian Sewing auf Verlangen der Hauptinvestoren Blackrock und Katar erfolgt sei ("Agenda 2020 - Das Ende der Amtszeit von CEO John Cryan hat begonnen"). Beide vermissten Aufbruchstimmung.

Nun machen Großaktionäre ihre Unzufriedenheit mit Cryan in anonymer Form öffentlich. Der chinesische Mischkonzern HNA hält 9,9 Prozent der Aktien, Investoren aus Katar etwas weniger, der Vermögensverwalter Blackrock kommt auf knapp 6 Prozent.

Er habe in den zwei Jahren an der Spitze der Deutschen Bank "schlicht zuwenig" verändert, zitiert das "Handelsblatt" (kostenpflichtig) einen namentlich nicht genannten Investor. Ein anderer anonym bleibender Großaktionär sagte, er glaube "zunehmend, dass er nicht mehr der Richtige ist". Erst kürzlich durfte sich Cryan auf einer Bankentagung des Blatts als Finanz-Visionär positionieren, zudem deutete er jüngst an nach Ende seines Vertrags 2020 möglicherweise weitermachen zu wollen.

Zahlen spiegeln die Aufbruchsstimmung nicht wider

Allerdings spiegelt sich die Aufbruchstimmung, die Cryan nach der Einigung im Hypothekenstreit mit den USA zu verbreiten versucht hatte, nicht in den Zahlen wider. Im Feburar hatte Cryan gesagt, dass es "in wesentlichen Bereichen besser läuft als im Vorjahr". Tatsächlich aber fielen im ersten Halbjahr 2017 die Einnahmen um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwar verdiente die Bank mehr Geld, aber das verdankte sie allein ihren Sparerfolgen und dem geringeren Bedarf an Risikovorsorge. Für viele Investoren und Analysten seien die Zahlen daher eine herbe Enttäuschung gewesen, die Aktie fiel erneut unter die 15-Euro-Marke.

Union Investment steht zu Cryan

Cryan stößt aber keineswegs auf einhellige Ablehnung unter den Investoren: "Wir denken nach wie vor, dass John Cryan der richtige Mann ist", sagt etwa Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, dem "Handelsblatt". Man könne vom Vorstand nicht das Unmögliche verlangen. "Im Vergleich zur Situation vor einem Jahr ist die Deutsche Bank wesentlich stabiler geworden. Kosten und Risiken sind gesunken, es gibt auch weniger Rechtsrisiken, und das Kapital wurde aufgestockt." Doch selbst er betont, "die Bank hat noch nicht bewiesen, dass ihr Geschäftsmodell trägt".

rei, soc

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