Sonntag, 19. November 2017

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Geschäft schrumpft, Gewinn steigt Deutsche Bank spart sich ihre Welt zurecht

Der erhoffte Aufschwung bei der Deutschen Bank lässt weiter auf sich warten. Im dritten Quartal musste das größte heimische Geldhaus abermals rückläufiges Geschäft vermelden. Allerdings hat das Institut durch Einsparungen geschafft, mehr zu verdienen.

Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen hat im dritten Quartal deutlich mehr verdient: Unterm Strich stand ein Gewinn von 649 Millionen Euro und damit gut doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Die Prognosen hatten hier im Schnitt bei 281 Millionen Euro gelegen. Vor Steuern blieben 933 Millionen Euro übrig nach zuvor 619 Millionen. Die Erwartungen der Analysten hatten hier im Schnitt bei 586 Millionen Euro gelegen.

Grund dafür waren deutlich gesunkene Kosten für Abfindungen und Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten, teilte das größte deutsche Geldhaus am Donnerstag mit. Auch der Personalabbau und die Sparmaßnahmen führte zu einem Rückgang der Kosten. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Bank heute rund 4000 Mitarbeiter weniger.

Die Erträge - also die gesamten Einnahmen der Bank - allerdings sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum derweil um ein Zehntel auf knapp 6,8 Milliarden Euro, teilte der Konzern am Donnerstag weiter mit. Schuld daran war vor allem ein Rückgang im Investmentbanking um 23 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro.

Im traditionell für die Deutsche Bank wichtigen Handel mit Anleihen und Währungen brachen die Erträge in einem schwachen Marktumfeld sogar um 36 Prozent ein. Viele US-Konkurrenten wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley hatten hier allerdings ebenfalls Federn lassen müssen.

"Während das Umfeld für unsere Erträge eine Herausforderung bleibt, sind wir bei unseren wichtigen Initiativen deutlich vorangekommen", sagte Bankchef John Cryan am Donnerstag in Frankfurt.

Beim Börsenkandidaten, der Vermögensverwaltung, blieben die Erträge mit 628 Millionen im Jahresvergleich stabil. Im dritten Quartal verzeichnete die "Deutsche Asset Management" Netto-Neugeldzuflüsse von vier Milliarden Euro, für den bisherigen Jahresverlauf summiert sich das Neugeschäft damit auf 14 Milliarden Euro. Das verwaltete Vermögen stieg seit Jahresanfang um fünf Milliarden Euro auf 711 Milliarden Euro.

In der Privat- und Firmenkundenbank legte der Ertrag um drei Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zu - ohne Sondereffekte wie beispielsweise den Verkauf von Geschäftsanteilen am Zahlungsdienstleister Concardis lag der Ertrag aber lediglich auf dem Niveau des Vorjahres.

Die Deutsche Bank leidet wie andere Institute auch unter den niedrigen Zinsen, die das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft weniger profitabel machen, sowie unter den anhaltend ruhigen Kapitalmärkten, was die Gebühreneinnahmen schmälert.

Bei den Frankfurtern kommen erschwerend Fehler der Vergangenheit hinzu - so hatten Skandale und Rechtsstreitigkeiten der Bank zwei Verlustjahre in Folge eingebrockt. Bankchef John Cryan baut den Konzern deshalb momentan um. So integriert er die Tochter Postbank.

Rei/dpa/Reuters

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