Dienstag, 21. November 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Bankentagung Deutsche Bank fühlt sich nicht reif für Fusionen

Nicht reif für die Fusion: Deutsche-Bank-Vorstand Marcus Schenck

Niedrigzinsen, Regulierung, Konsolidierungsdruck - in Frankfurt klagen Banker derzeit ihr Leid. Deutsche-Bank-Finanzchchef Schenck etwa sieht sein Institut wegen eigener Schwäche noch lange nicht reif für eine Fusion. Die EZB wiederum fühlt sich für die Ertragsprobleme der Institute nicht verantwortlich und fordert sie auf, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken.

Deutsche-Bank-Finanzvorstand Marcus Schenck sieht Deutschlands größtes Geldhaus noch nicht reif für eine Fusion. "Wir müssen noch eine ganze Reihe von Hausaufgaben machen", sagte Schenck am Montag auf der "Euro Finance Week" in Frankfurt. So lange sei die Zeit für einen Zusammenschluss nicht gekommen.

"M&A macht man aus einer Position, in der man aufgeräumt ist." Größe sei in der Branche zwar ein Wert an sich, werde aber von den Regulierern zugleich mit höheren Kapitalauflagen bestraft, betonte Schenck. DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch pflichtete Schenck bei: "Die Regulierung verhindert schon solche Schritte."

Commerzbank-Chef Martin Zielke sagte, Regulierung schütze die Banken auch vor Angriffen von Internet-Konzernen wie Google. "Diese Chance sollten wir nutzen." Übernahmen wollte er für die zweitgrößte deutsche Bank nicht ausschließen: "Anschauen muss man sich das immer." Gespräche der Commerzbank mit der Deutschen Bank waren im Sommer im Sand verlaufen. Laut Insidern interessiert sich die Commerzbank für die Übernahme der kleinen Oldenburgischen Landesbank, die der Allianz gehört.

Spekulationen um Fusionen spiegeln auch immer die schwierige Ertragslage im Bankensektor wider, dem Experten eine weitere Konsolidierung voraussagen. Dabei machen Banken für ihre rückläufigen Erträge das anhaltend niedrige Zinsniveau verantwortlich.

EZB-Vize fühlt sich für die Probleme der Banken nicht verantwortlich

Die EZB will sich nach Worten ihres Vizepräsidenten Vítor Constâncio allerdings dafür nicht die Schuld in die Schuhe schieben lassen. "Niedrige oder negative Zinssätze können nicht per se für niedrige Profitabilität verantwortlich gemacht werden", sagte der EZB-Banker bei der gleichen Tagung. Vielmehr müssten "Europas Banken ihre Geschäftsmodelle anpassen", um ihre Geschäftsaussichten zu verbessern, mahnte Constâncio

Constâncio hob vielmehr die aus seiner Sicht positiven Effekte der Niedrigzinspolitik für Banken hervor. So seien beispielsweise die Finanzierungskosten für die Institute gesunken. Die EZB sei sich aber durchaus bewusst, dass einige der positiven Effekte über die Zeit nachließen.

Notwendig sei eine gemeinsame Strategie für den Euroraum, um faule Kredite im Finanzsektor abzubauen und den in vielen Ländern zu großen Bankensektor gesundzuschrumpfen. "Wir brauchen einen stärkeren Bankensektor, der unerlässlich ist, um geldpolitische Impulse besser weiterzureichen und die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen."

Rei/dpa/Reuters

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH