Sonntag, 19. November 2017

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Ackermann-Vorgänger Rolf Breuer Ex-Deutsche-Bank-Chef: "Bank-Karriere? Ich würde abraten"

Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer (r.) 2002 mit Vorgänger Hilmar Kopper (l.) und Nachfolger Josef Ackermann.

Rolf Breuer, von 1997 bis 2002 Vorstandssprecher und danach vier Jahre lang Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, war immer schon für ein paar unverstellte Thesen gut. Im Februar 2002 stürzte er seinen Ex-Arbeitgeber, das ihm bis heute ein Büro samt Infrastruktur finanziert, in eine schwere Krise. In einem TV-Interview antwortete er auf die Frage, wie es denn um den klammen Medien-Konzern Kirch, damals ein Deutsche-Bank-Kunde, bestellt sei: "Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen."

Wenige Wochen später war Kirch pleite. Die Schuldfrage wurde vor Gericht jahrelang verhandelt, am Ende befriedeten die Parteien den Streit mit einer Zahlung der Deutschen Bank an die Erben des Medienunternehmers Leo Kirch mit einer Zahlung von 925 Millionen Euro. Breuer selbst musste nach eigenen Angaben 3,2 Millionen Euro beisteuern.

Am 3. November wird Breuer 80 Jahre alt und im Geburtstags-Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa zeigt er sich unverdrossen unverblümt und forsch. Jungen Menschen etwa rät er - selbst elffacher Großvater - von einer Karriere in der Bankwirtschaft ab: "Wenn einer meiner Enkel mich fragt, ob er in die Bank gehen soll, würde ich ihm abraten. Die goldenen Zeiten sind vorbei. Ich hatte es gut, das waren goldene Zeiten für das Finanzwesen und für die Deutsche Bank insbesondere. Aber ich sehe das nicht wiederkommen." Nicht gerade Rückenwind für seinen Nachfolger John Cryan, der gerade versucht, bei Kunden wie bei Mitarbeitern wieder Zuversicht ob der Zukunft des größten deutschen Geldhauses zu verbreiten.

Vor allem die Regulatorik verderbe den Spaß an der Arbeit: "Ich bin jetzt zehn Jahre draußen, da haben sich die Dinge ganz maßgeblich verkompliziert. (...) Die Branche kämpft immer noch mit den Folgen der Finanzkrise, insbesondere, was das unglaublich dichte Netz an regulatorischen Vorschriften angeht. Das geht ja in das Reich der Bürokratie und ärgert die Kunden und nimmt den Mitarbeitern die Zeit für die Kunden."

Er selbst sei aus Mangel an anderer Begabung Banker geworden. "Mein Vater hätte gerne gewollt, dass ich Chemiker würde, weil er von diesem Berufszweig das größte Potenzial erwartete. Er hat mich mal in ein Praktikum geschickt und das hatte zum Ergebnis: kein Talent. Ich hatte keine Ausnahmebegabung: Ich war kein großer Musiker, der daraus hätte einen Beruf machen können. Auch zum Regisseur hat es trotz viel Lust und Engagement nicht gereicht. (...) So bin ich aus Not oder Zufall oder Verlegenheit Jurist geworden und Banker. Ich habe nach dem Abitur erst eine Banklehre gemacht, weil mein Vater auch eine gemacht hatte. Und das war schon die Deutsche Bank, so dass ich in meinem Leben nie einen anderen Arbeitgeber gehabt habe."

Die jahrelangen, scharfen Streit mit der Kirch-Seite hat er offensichtlich gut verarbeitet. "Daran habe ich mich gewöhnen müssen. Man darf das nicht zu sehr an sich herankommen lassen." Zu seinem Geburtstag lädt er seine Familie in die Toskana: "Am 3. November ist überall schlechtes Wetter, vielleicht in der Toskana nicht. Wir haben ein schönes Programm: Florenz, Siena - es wird auch Kultur geboten, das schulden sie dem Großvater."

dpa-afx, soc

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