Freitag, 29. Juli 2016

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Deutsche Bank Ein Königstransfer mit gefährlichen Nebenwirkungen

Besser Zugriff auf den Vorstand: Paul Achleitner, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank

Aufsichtsratschef Paul Achleitner schafft sich mit der Verpflichtung von Marcus Schenck erstmals eine echte eigene Machtbasis im Vorstand der Deutschen Bank. Seine Rochaden rund um diese Personalie legen allerdings das unheilvolle Gefüge in der Führungsspitze offen.

Es gibt in der Deutschen Bank das geflügelte Wort von "Anshu's Army". Es beschreibt das Netzwerk langjähriger Vertrauter, das Co-Vorstandschef Anshu Jain über Schlüsselpositionen der Bank gelegt hat, um seinen Einfluss abzusichern. Paul Achleitner kam 2012 als Aufsichtsratschef in die Bank, um die Gier-Kultur der Bank trockenzulegen, die Jain wesentlich mitgeprägt hatte. Der Hausmacht des 51-Jährigen hatte er nichts entgegenzusetzen. Seine pragmatische Lösung: Grenzenloses Vertrauen in den indischstämmigen Briten und dessen Kompagnon an der Vorstandsspitze, Jürgen Fitschen.

Seit dem heutigen Mittwoch hat der 58-jährige Österreicher so etwas wie den Nukleus von "Paul's Army": den designierten neuen Finanzvorstand Marcus Schenck, 48. Er ist Achleitners Unabhängigkeitserklärung von Jain und auch von Fitschen.

Achleitner kennt Schenck seit vielen Jahren. Ende der neunziger Jahre haben sie zusammen das Deutschlandgeschäft von Goldman Sachs aus dem Frankfurter Messeturm heraus ausgebaut. Das verbindet. Schenck war danach zwischen 2006 und 2013 Finanzvorstand bei Eon, seitdem ist er wieder bei Goldman Sachs.

Achleitner musste für Schecks Berufung gleich mit zwei Usancen brechen: Nicht nur dass die Bank die Schlüsselposition des Finanzvorstands mangels eigener Talente zum zweiten Mal in Folge mit einem Externen besetzt - schon Amtsinhaber Stefan Krause, der zuletzt bei einem internen IT-Projekt und dem Nachweis eines tadellosen Risiko-Managements unglücklich agierte, kam von BMW. Der Mann, der das Reporting und das Verhältnis zu den Investoren verbessern soll, kommt auch noch vom Erzrivalen: Goldman Sachs.

Achleitner ist zu diesen atmosphärischen Opfern bereit, weil er seine eigene Machtbasis und seine Optionen verbreitern will. Schenck ist eindeutig ein Kandidat für die Vorstandsspitze, falls Jain oder Fitschen (66) beispielsweise über eine der zahlreichen regulatorischen Ermittlungen fallen sollten oder die Investoren ob der anhaltend mäßigen operativen Zahlen langsam ungemütlich werden. Einen solchen logischen Vorstandschef der Reserve hatte die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen zuletzt nicht. Für Achleitners Position in der Bank und auch für die Bank selbst ist die Personalie Schenck also ein kluger Schritt. Und Jain und Fitschen müssten Profis genug sein, das nicht als Misstrauensvotum, sondern als normale Vorsichtsmaßnahme zu interpretieren.

Allerdings bürdet Achleitner der Bank dafür einen hohen Preis auf und legt damit die unheilvolle Machttektonik im Vorstand offen. Denn der Aufsichtsratschef hat um diesen Königstransfer herum weitere Vorstandsentscheidungen getroffen, die im besten Fall die Bank nur schwerfälliger machen, im schlimmsten Fall aber zu schweren Konflikten im Vorstand führen.

So macht Achleitner etwa den amtierenden Finanzvorstand Stefan Krause formal zum Strategie-Vorstand. Er soll für "strategische Entwicklung und alle wesentlichen Reform-Initiativen" verantwortlich sein. Das ist eigentlich Kernaufgabe des Vorstandschefs, von denen die Bank sogar zwei hat. Zudem wird Henry Ritchotte, bislang zuständig für die täglichen Geschäftsabläufe (Operations) und Informationstechnologie, auch noch zuständig für die "digitale Agenda", was im Jahr 2014 auch mit großer Strategie zu tun haben sollte. Wenn Krause und Ritchotte ihre Aufgabe ernst nehmen, kommen sie sich ständig untereinander ins Gehege und, falls Jain und Fitschen ihre Aufgabe ernst nehmen, auch noch mit den beiden Chefs. In ihrer offiziellen Stellungnahme zu den Rochaden jedenfalls äußern sich die Co-Chefs zu allem Möglichen, Krauses neue Rolle aber verschweigen sie.

Wahrscheinlicher ist deswegen, dass Krause sein neues Ressort Strategie vor allem deswegen bekommen hat, um seinen Abstieg nicht allzu krachend aussehen zu lassen und IT-Vorstand Ritchotte sich vor allem deswegen Digital-Stratege nennen darf, damit er nicht offen meutert. Sinnvoll ist das alles natürlich nicht.

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