Montag, 20. August 2018

Gewinn steigt, Probleme bleiben Deutsche Bank hat mit DWS jetzt eine neue Baustelle

Die Erträge bleiben schwach, die Kosten fallen nicht schnell genug: Der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing kann sich über Arbeit nicht beklagen. Jetzt bereitet noch die Vermögensverwaltung und Fondstochter DWS Sorgen

Die Deutsche Bank weist für das zweite Quartal einen Gewinn aus, er ist sogar etwas höher als ursprünglich angekündigt. Dennoch: Der Handel mit Anleihen und das Aktiengeschäft schwächeln. Bei der Kostenreduktion kommt Konzernchef Sewing nicht gut voran. Mit der gerade an die Börse gegangenen DWS hat die Bank jetzt wohl noch eine Baustelle.

Gewinn trotz Generalüberholung: Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen hat im zweiten Quartal unter dem Strich 401 Millionen Euro Gewinn gemacht, teilte das Institut am Mittwoch mit. Vor Steuern erwirtschaftete das größte deutsche Geldhaus wie vor einer Woche bereits angekündigt ein Ergebnis von 711 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte die zuletzt kräftig durchgeschüttelte Bank, der der neue Chef Christian Sewing eine Rosskur verordnet hat, noch einen um 14 Prozent höheren Nettogewinn gemacht.

Sewing äußerte sich dennoch zufrieden mit dem Ergebnis: "Im zweiten Quartal haben wir den Umbau unserer Bank erheblich beschleunigt und gleichzeitig unter Beweis stellen können, wie stabil unser Geschäft weltweit ist." Für das Gesamtjahr rechnet er weiterhin mit insgesamt stabilen Erträgen: 2017 hatte das Geldhaus 26,4 Milliarden Euro oder 12 Prozent weniger eingenommen als im Vorjahr und zugleich das dritte Verlustjahr in Folge hinnehmen müssen.

Die Baustellen blieben im zweiten Quartal erwartungsgemäß dieselben wie zuletzt: In der einstigen Paradedisziplin, dem Anleihenhandel, gingen die Erträge im Frühjahr um 17 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zurück. Im Aktiengeschäft, das Sewing massiv eindampfen will, waren die Erträge zwischen April und Juni sechs Prozent niedriger und betrugen rund eine halbe Milliarde Euro.

Sewing erklärte, er gehe davon aus, dass sein Institut im Handel mit Anleihen und Währungen gemessen an den Erträgen global die Nummer vier bleiben wird. Vorne liegen die großen Wall-Street-Häuser wie JP Morgan oder Goldman Sachs, die den Deutschen zuletzt mit großen Schritten immer weiter enteilt waren.

Hohe Kosten bleiben eine Problem

Nur langsam voran kommt Sewing in seinen ersten Monaten als Vorstandschef nach der überraschenden Ablösung von John Cryan Anfang April beim Abbau der enormen Kosten des Geldhauses. Die bereinigten Kosten bliefen sich im zweiten Quartal auf 5,6 Milliarden Euro, was im Jahresvergleich einem Rückgang von einem Prozent entspricht. Für das Gesamtjahr geht Sewing weiterhin davon aus, dass die bereinigten Kosten auf 23 Milliarden Euro sinken werden.

Im Privatkundengeschäft, in dem Sewing im zweiten Quartal den erfolgreichen Abschluss der Vollintegration der Postbank in den Konzern melden konnte, beliefen sich die Erträge im zweiten Quartal auf rund 2,5 Milliarden Euro - ein Minus von einem Prozent.

Vermögensverwaltung DWS kippt ihr Ziel für Mittelzufluss

Die Vermögensverwaltung DWS schwächelt nach dem Teilbörsengang: hier beliefen sich die Erträge auf 561 Millionen Euro, was einem Rückgang von 17 Prozent entspricht. Die Bank begründete dies allerdings mit dem Ausfall von Gebühren für einen spezifischen Fonds, die normalerweise alle zwei Jahre anfallen.

Das verwaltete Vermögen der Sparte stieg im zweiten Quartal insgesamt um 14 auf 692 Milliarden Euro, weil Wechselkursveränderungen und die Wertentwicklung der verwalteten Vermögen die Abflüsse von rund 5 Milliarden Euro mehr als kompensierten.

Doch bleibt die Entwicklung enttäuschend, denn die Kunden der DWS zogen damit das zweite Quartal in Folge Geld ab. "Angesichts der Volatilität und der Stimmung am Kapitalmarkt ist es unwahrscheinlich, dass wir unser Jahresziel für 2018 beim Nettomittelaufkommen erreichen werden", sagte Finanzchefin Claire Peel am Mittwoch. DWS halte diesbezüglich aber an seinen langfristigen Zielen fest. Bislang hatte sich die DWS sowohl für dieses Jahr als auch mittelfristig drei bis fünf Prozent Zuwachs vorgenommen.

Die Bank hatte bereits Anfang vergangener Woche eine vorläufige Quartalsbilanz veröffentlicht, weil wichige Kennzahlen nach ersten Berechnungen deutlich über den - pessimistischen - Erwartungen der Analysten lagen.

rei/Reuters

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