Mittwoch, 7. Dezember 2016

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Fitschen und Cryan im Interview Deutsche Bank wird wohl nicht betriebsbedingt kündigen

"Wir haben kein Strategieproblem": John Cryan (r) und Jürgen Fitschen (l) haben ein erstes gemeinsames Interview gegeben

Die Deutsche Bank will den Geldwäsche-Skandal in Russland schnellstmöglich abhaken. "Wir hoffen sehr, das Russland-Verfahren in diesem Jahr abschließen zu können, denn hier tun sich Analysten besonders schwer, die Höhe der Strafe zu prognostizieren", sagte Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Montagausgabe).

Deutschlands größtes Geldhaus hat Ermittlern zufolge Kunden geholfen, Rubel-Schwarzgeld in Höhe von rund zehn Milliarden Dollar zu waschen. Da sich inzwischen auch die US-Behörden in den Fall eingeschaltet haben, droht der Bank nach Einschätzung von Experten eine hohe Strafzahlung.

Die zahlreichen offenen Rechtsstreitigkeiten seien ein Grund dafür, warum der Deutschen Bank am Markt so viel Misstrauen entgegenschlage, sagte Fitschen. "Die Investoren wollen wissen, wie es hier weitergeht. Deshalb tun wir alles dafür, bis zum Jahresende hier mehr Klarheit zu schaffen."

Deutsche Bank will nicht betriebsbedingt kündigen

An der ausgegebenen Neuausrichtung des Instituts wolle der Vorstand dagegen nicht rütteln, betonte Co-Chef John Cryan in dem Interview. "Wir haben kein Strategieproblem." Das Wertpapierhandelsgeschäft stehe derzeit zwar unter Druck, weil Kunden wegen der Schwankungen an den Märkten weniger Aktien und Anleihen platzierten. Auf mittlere Sicht sei die Kapitalmarktexpertise für die Deutsche Bank aber ein Alleinstellungsmerkmal in Europa. "Das Investmentbanking samt Handel ist für uns unverzichtbar."

Das Institut hat im Rahmen seiner "Strategie 2020" angekündigt, die Postbank zu verkaufen und ab Herbst rund 200 Deutsche-Bank-Filialen zu schließen. Im Konzern fallen netto 9000 Stellen weg, knapp die Hälfte davon in Deutschland. Die Arbeitnehmervertreter setzen darauf, dass dies in der Bundesrepublik über Abfindungsangebote, Altersteilzeit und andere freiwillige Maßnahmen gelingt.

"Ich gehe davon aus, dass wir weitestgehend ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen", sagte Verdi-Chef Frank Bsirske, der im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt, dem "Handelsblatt". "Der Konzernbetriebsrat hat einen Sozialplan ausgehandelt, und die Bank hat angedeutet, dass sie Arbeitszeitverkürzungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen positiv sieht."

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