Donnerstag, 17. Januar 2019

Entscheidende Monate für Deutschlands größtes Geldhaus Die acht Baustellen der Deutschen Bank

Kann jede Hilfe gebrauchen: Deutsche Bank, hier die Zentrale in Frankfurt.

Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen ist vom Vorzeigekonzern zum Sorgenkind der deutschen Wirtschaft abgestiegen. Im Herbst und Winter 2016 wird sich voraussichtlich zeigen, ob dem größten deutschen Geldkonzern die Wende gelingt: Wegweisende Signale werden unter anderem die Zahlen zum dritten Quartal am 27. Oktober und der Ausgang der Verhandlungen mit den Finanzregulatoren weltweit liefern.

manager-magazin.de beschreibt die wichtigsten Baustellen der Deutschen Bank:

Baustelle 1: Rechtsstreitigkeiten - der Mühlstein des Konzerns

Hunderte offener Rechtsstreitigkeiten mit Finanzaufsichten aus aller Welt belasten die Deutsche Bank - finanziell wie imagemäßig. Das hat auch der seit Juli 2015 amtierende Vorstandschef John Cryan erkannt und rasch nach Amtsantritt zum Ziel ausgegeben, bis Ende 2016 den gefährlichsten Giftmüll der Vergangenheit zu entsorgen. 5,9 Milliarden Euro hat die Bank dafür nach Ende des dritten Quartals 2016 zurückgestellt. Die höchste Strafe wird für die unlauteren Geschäfte mit US-Hypotheken vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 fällig werden. Die Bank verhandelt dazu seit Monaten mit dem US-Justizministerium (Department of Justice - DOJ), das vor wenigen Wochen mal schlank 14 Milliarden Dollar als Ausgangsforderung ausgerufen hat. Ebenfalls mächtig gefährlich, weil die Causa noch in die Zeit hineinragt, in der Cryan und Aufsichtsratschef Paul Achleitner bereits in der Bank wirkten: Die Vorwurf der Geldwäsche an die Moskauer Niederlassung der Frankfurter.

Ob Cryan mit seinem Zeitplan hinkommt, ist fraglich. Erst nach Abschluss der Vergleichsverhandlungen wird aber auch klar sein, ob die Bank mit den 5,9 Milliarden Euro auskommt - oder frisches Geld braucht. Diese Unsicherheit, medial zuletzt stark thematisiert, nagt zunehmend auch an den Nerven der Kundschaft und macht sie wechselbereit.

Lesen Sie dazu auch den Report in der November-Ausgabe des manager magazin: Das Versagen der Hausjuristen - warum die Deutsche Bank von einem Skandal in den nächsten stolperte

Baustelle 2: Position auf US-Markt - wie klein darf sie sein?

Cryan hat nach Amtsantritt grosso modo die Strategie übernommen, die seine Vorgänger Anshu Jain und Jürgen Fitschen entwickelt und sich von Aufsichtsratschef Achleitner haben absegnen lassen: eine globale agierende Bank mit breiten Produktangebot vor allem für Firmenkunden. Das impliziert: eine breite Präsenz auf dem wichtigsten Kapitalmarkt der Welt, den USA. Denkbar ist nun aber, dass die Bank als Teil des Kompromisses mit dem DOJ zu den Hypothekendeals ihr Geschäft in den USA reduzieren muss. Das wiederum würde sie für Kunden unattraktiver werden lassen.

Baustelle 3: Postbank - ja, nein oder vielleicht?

Die Deutsche Bank hat die Privatkundenbank Postbank erst gekauft, dann integriert, sie dann unter Jain, Fitschen und Achleitner 2015 wieder zum Verkauf gestellt, deswegen wieder separiert - und denkt nun erneut über eine Integration nach, wie manager magazin bereits im Juli exklusiv meldete. Bei der Vorstellung der Zahlen zum dritten Quartal dementierte Finanzvorstand Marcus Schenck allerdings derartige Überlegungen: Es bleibe bei dem alten Plan, die Bank entweder zu verkaufen oder an die Börse zu bringen - sofern der Preis stimme.

Die Turnübungen kosten hunderte Millionen Euro und machen die Belegschaft irre. Der Grund für das Hin und Her: Einerseits würde der Verkauf der Postbank den Deutsche-Bank-Konzern schlanker machen und die Bilanzrelationen verbessern. Andererseits bieten die Einlagen der Postbank-Kunden einen billigen Quell der Refinanzierung, zudem war das Privatkundengeschäft zuletzt ein verlässlicher Gewinnbringer. Um das Geschäft mit dem Privatkunden noch renditestärker zu machen, müsste die Postbank allerdings mit dem Pendant der Deutschen Bank enger verzahnt werden - was Jobs kosten würde. Das wiederum fällt der Deutschen Bank traditionell schwer, neuerdings auch wegen der starken Stellung von Frank Bsirske im Aufsichtsrat, den Chefkontrolleur Achleitner als treuen Genossen gut gebrauchen kann.

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