Samstag, 30. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Milliardenverlust der Deutschen Bank Aufsichtsrat streicht Deutsche-Bank-Vorstand den Bonus

Hoffnungsträgerin: Die IT-Chefin der Deutschen Bank, Kim Hammonds (2.v.l.) neben Markus Schenck (l.) und den Co-CEO Jürgen Fitschen sowie John Cryan (r.).

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank hat den Vorständen auf seiner Sitzung am Mittwochabend komplett die Boni gestrichen. "Diese Entscheidung überrascht mich nicht", sagte Vorstandschef John Cryan auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Der Schritt sei angesichts des Milliardenverlusts der Bank verständlich.

Nach Cryans Worten muss sich auch die Belegschaft auf spürbare Einschnitte bei den Boni einstellen. Das sei "hoffentlich nicht zu demotivierend" für die Mitarbeiter. Konkrete Zahlen nannte er nicht, die endgültige Entscheidung kündigte er für März an. Er müsse erst genau wissen, wie die Gewinne in den einzelnen Abteilungen exakt ausfielen. Nach Angaben aus Finanzkreisen ist der Prämientopf für 2015 in einigen Abteilungen um bis zu 30 Prozent geschrumpft. Cryan sagte am Donnerstag, er wolle nicht unbedingt das Gesamtniveau der Vergütung dauerhaft senken, wohl aber die Boni leistungsgerechter verteilen.

Mitarbeiter und Aktionäre der Deutschen Bank brauchen beim Umbau des Instituts einen langen Atem. Nach einem Rekord-Verlust im vergangenen Jahr stimmte Cryan sie am Donnerstag auf ein weiteres Krisenjahr ein. "Wir alle wissen, dass eine Restrukturierung sehr herausfordernd sein kann. Sie braucht Zeit, Entschlossenheit und Geduld." Zählbare Erfolge seien erst mittelfristig zu erwarten. "2016 wird ziemlich herausfordernd bleiben", sagte Cryan vor Analysten. Dieses Jahr werde der Höhepunkt der Restrukturierung. Bis die Bank aufgestellt sei, wie er sich das vorstelle, werde es 18 bis 24 Monate dauern.

Im vierten Quartal 2015 schlug sich der Umbau offenbar bereits im Investmentbanking nieder, das einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro vor Steuern ablieferte. Die Erträge brachen um 30 Prozent ein. Dabei bräuchte Deutschlands größtes Geldhaus mehr denn je eine verlässliche Einnahmequelle, um die milliardenschweren Belastungen aus Skandalen und dem Konzernumbau zu schultern.

Doch Cryan kann sich hier nicht mehr auf die Investmentbanker verlassen, die in den vergangenen Jahren den Löwenanteil der Gewinne ablieferten. Der seit Juli amtierende Chef will die Bank weniger abhängig von den heftigen Schwankungen an den Kapitalmärkten machen. Sein Großreinemachen hatte 2015 einen Verlust von fast sieben Milliarden Euro gebracht. Nicht einmal auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 hatte es so schlecht ausgesehen.

Cryan räumt "Enttäuschung" der Mitarbeiter ein

Der Brite räumte Verunsicherung in der mehr als 100.000 Mitarbeiter starken Belegschaft ein: "Das vierte Quartal lag im Rahmen meiner Erwartungen, aber für unsere Mitarbeiter war es enttäuschend." Tausende von ihnen sollen nach Cryans Plänen den Arbeitsplatz verlieren. Deshalb mache ihm aber auch der Absturz der Deutsche-Bank-Aktie Börsen-Chart zeigen Sorgen, die seit seinem Amtsantritt mehr als ein Drittel ihres Wertes verloren hat. Am Donnerstag war sie mit einem Minus von 2,4 Prozent einmal mehr größter Kursverlierer im Dax. "Der Aktienkurs ist auch ein Indikator für die Stimmung in der Bank", sagte Cryan.

Der Umbau kostet zunächst Geld. Die Deutsche Bank rechnet in diesem Jahr abermals mit Restrukturierungskosten und Abfindungen von rund einer Milliarde Euro. Gleichzeitig reichten die Einsparungen 2016 voraussichtlich nur, um den Kostendruck durch Inflation und Regulierung abzufedern, so dass die bereinigten Kosten nicht zurückgehen dürften. Die Rechtsstreitigkeiten und Altlasten aus der Vergangenheit belasten die Bank weiter, auch wenn die Kosten dafür unter dem Niveau des vergangenen Jahres liegen sollen. 2016 erwarte die Bank, einige langjährige Verfahren und Klagen beizulegen, sagte Finanzvorstand Marcus Schenck. Seit 2012 hat die Deutsche Bank 12,7 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten aufgewendet. Die Vorsorge für faule Kredite, die wegen der guten Konjunktur auf historischen Tiefstständen gelegen hatte, werde ebenfalls steigen.

Ausstieg bei der Postbank zieht sich hin

Verzögern könnte sich auch der Ausstieg bei der Postbank. Hatte sich Cryans Vorgänger Anshu Jain noch zuversichtlich gezeigt, die Beteiligung schon in diesem Jahr auf weniger als 50 Prozent abzubauen, ist die Bank nun vorsichtiger: Es sei nicht auszuschließen, dass zumindest ein Teilausstieg schon in diesem Jahr gelinge, sagte Schenck. Aus der Bilanz der Deutschen Bank werde sie auf jeden Fall bis 2018 verschwinden. Bisher waren die Planungen Insidern zufolge auf einen Börsengang der Postbank zur Jahresmitte hin ausgerichtet. Zuletzt hatten sich hier aber einige neue Hürden aufgebaut. Auch die Postbank-Mitarbeiter stehen vor Einschnitten: Man habe sich kürzlich mit dem Vorstand der Tochter auf Maßnahmen geeinigt, die das Filialnetz und die Belegschaft beträfen, sagte Schenck, ohne Einzelheiten zu nennen.

Hauptgrund für die Trennung von der Postbank ist deren Geschäftsmodell, das die Kapitalpuffer der Bank belastet und die Verschuldung nach oben treibt. Mit einer Verschuldungsquote von 3,5 Prozent steht die Deutsche Bank deutlich schlechter da als die Konkurrenz. Gleichzeitig verlangt die EZB-Bankenaufsicht von ihr dickere Sicherheitspuffer. Bis 2019 muss ihre harte Kernkapitalquote auf mindestens 12,25 Prozent steigen, Anfang 2016 lag sie mit 12,5 Prozent knapp darüber. Viel mehr brauche die Bank nicht, sagte Cryan. Wenn nichts völlig Unvorhergesehenes passiere, werde sie den Umbau ohne eine Kapitalerhöhung schaffen. Im ersten Quartal sei noch mit einem Rückgang der Kapitalquote zu rechnen. Mit der geplanten Schrumpfung der Bilanz werde die Bank aber in diesem Jahr noch nicht vorankommen.

Lesen Sie hier: Cryans Brief an die Mitarbeiter


Alle relevanten News des Tages gratis auf Ihr Smartphone. Sichern Sie sich jetzt die neue kostenlose App von manager-magazin.de. Für Apple-Geräte hier und für Android-Geräte hier.

ts/soc/cr/Reuters/dpa-afx

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH