Dienstag, 24. April 2018

Vorstandsumbau bei der Deutschen Bank Das letzte Aufgebot

Gesucht werden: Lichtgestalten.

Die Führung eines Konzerns verkörpert dessen Ambitionen. Dies gilt besonders im Geldgewerbe, das - trotz aller wachsenden Bedeutung der IT - weiterhin ein people's business ist.

Die ersten Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank unter Aufsichtsratschef Paul Achleitner waren Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Das sollte man übersetzen mit dem Anspruch, eine globale Investmentbank zu sein (Anshu Jain) und gleichzeitig der Kümmerer für europäische und deutsche Großunternehmen (Jürgen Fitschen).

Beide mussten vor Vertragsablauf gehen, unter ihrem polyglotten, umfangreich erfahrenen Nachfolger John Cryan blieb die Strategie des größten deutschen Geldhauses explizit dieselbe, zudem stand der Brite für: Ehrlichkeit, operative Exzellenz.

Nun folgen, drittens, Christian Sewing und Karl von Rohr und formal auch Garth Ritchie - das aber hauptsächlich, um die Sorgen der Regulatoren zu besänftigen, dass bei einem Weggang Ritchies niemand im Vorstand mehr die komplexen Kapitalmarkttransaktionen des Hauses wirklich durchschauen würde.

Sewing und von Rohr stehen für die Basis-Funktionen einer Bank. Werden die Zahlen ordentlich aufbereitet, funktionieren alle administrativen Systeme, ist das Verhältnis zu den Regulatoren in Ordnung?

Diese Aufgaben sind wichtig, sie müssen im Vorstand repräsentiert sein - aber nicht in der Vorstandsspitze. Ein CEO muss den Ehrgeiz einer Bank verkörpern, den Angriff auf die Wettbewerber anführen, neue Märkte abstecken.

Wenn der Ehrgeiz der Deutschen Bank angesichts ihrer zum großen Teil nur noch mittelmäßigen Marktposition nun ist, dass intern alle Systeme sauber laufen, ist das einerseits ein Armutszeugnis. Im Fall der Deutschen Bank ist das andererseits aber bedauerlicherweise auch sehr nah an der Realität.

Dass die Deutsche Bank inzwischen in dieser Realität angekommen ist, hat ganz wesentlich Paul Achleitner mitzuverantworten. Er könnte daraus die Lehre ziehen, dass vielleicht ein anderer seinen Job viel besser erledigen könnte. Statt dessen sammelt er Aufsichtsräte um sich, die seine Machtposition noch besser absichern.

Das ist natürlich der falsche Weg. Paul Achleitner merkt es nicht. Nach dem Ausstieg John Cryans ist erst recht niemand mehr da, der ihm das sagen könnte.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH