Samstag, 18. August 2018

Rundumschlag von Chefökonom David Folkerts-Landau Er war's - Deutsche Bank vs. Josef Ackermann, nächste Runde

David Folkerts-Landau

David Folkerts-Landau ist ein Veteran der Deutschen Bank. Noch nicht ganz so lang im Haus wie CEO Christian Sewing (seit 1989, mit zwei Jahren Unterbrechung), aber doch immerhin seit 1997 - noch vor dem Aufstieg in die Topliga an der Wall Street.

Als Chefökonom der Bank äußert sich Folkerts-Landau regelmäßig auch kontrovers zu allerlei Themen außerhalb der Bank. Wenige Tage vor der Hauptversammlung hat er nun dem "Handelsblatt" ein Interview gegeben - zur Lage der Bank selbst und zur Verteidigung seines Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner.

Bemerkenswert ist, dass Folkerts-Landau darin mehrere persönliche Urteile über einzelne Topbanker fällt und damit ein führender Vertreter der Bank mit klaren Worten in den schwelenden Streit um die Schuld an der Misere der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen eingreift. Vor allem den langjährigen Bankchef Josef Ackermann trifft die Kritik an den "Verantwortlichen, die damals gut daran verdienten, unsere Bank größtenteils verlassen (haben), und das in vielen Fällen, ohne dass man sie für ihr Missmanagement zur Verantwortung ziehen konnte."

Dass mit Christian Sewing "nach 16 Jahren wieder ein Deutscher Chef der Deutschen Bank" ist, findet Folkerts-Landau natürlich gut - auch den damit verbundenen "klaren Neustart", der eine deutlich schwächere Rolle im Londoner und New Yorker Kapitalmarktgeschäft bringt. Investmentbanking-Fan Marcus Schenck als Vorstandschef "wäre nicht zu vermitteln gewesen".

Der Chefökonom geht so weit, die Ackermann-Jahre als "Reverse Takeover" zu beschreiben. Die teuer eingekauften Investmentbanker hätten die Macht in der Frankfurter Institution übernommen. Diese Sicht auf das Ringen um die Strategie der Bank als deutsch-angelsächsischer Kulturkampf ist seit der Finanzkrise verbreitet. Ungewöhnlich ist, dass einer der Akteure des Investmentbankings selbst diese Sicht verbreitet.

Folkerts-Landau muss sich etwas winden, um die Distanzierung hinzubekommen. Schließlich leitete er selbst vor seinem heutigen Job die Analyseabteilung der Kapitalmarktsparte und ist eng mit zwei Leitfiguren der Investmentbanker verbunden: Edson Mitchell, der die Sparte aufbaute, holte ihn einst vom Internationalen Währungsfonds. Und Folkerts-Landau galt als Anhänger der "Anshu's Army" von Anshu Jain.

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