Samstag, 17. November 2018

Deutsche-Bank-Chef rastet vor Führungskräften aus "Bullshit, Bullshit" - Christian Sewing zeigt Nerven

Christian Sewing

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing schlägt einen rüden Ton gegenüber den eigenen Führungskräften an. In einer Telefonkonferenz mit Managern zu den jüngsten Quartalszahlen soll Sewing einzelne Kollegen scharf zurechtgewiesen haben, berichtet die "Financial Times" (kostenpflichtig) unter Berufung auf Teilnehmer.

Der Vorstandschef zeigte sich demnach genervt, weil die Gerüchte über eine bevorstehende Fusion mit der Commerzbank Börsen-Chart zeigen nicht mehr nur von außen an die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen herangetragen werden, sondern auch das Denken der eigenen Leute beherrschen. Öffentlich hatte Sewing die Option zuvor schon zurückgewiesen. Anscheinend fürchtet er, die Spekulation lenke die Deutschbanker vom eigentlichen Bankgeschäft ab und behindere so die Rückkehr zu wachsenden Erträgen.

Er solle sich lieber auf seinen Job konzentrieren, herrschte Sewing dem Bericht zufolge einen New Yorker Manager an, der gefragt hatte, was denn nun wirklich an den Marktgerüchten dran sei. Als dann auch noch eine Postbank-Führungskraft aus Bonn dieselbe Frage wiederholte, wurde der CEO ungehalten. Es sei "Bullshit, Bullshit", die Commerzbank-Spekulation als Ausrede für schlechte Ergebnisse zu verwenden.

"Natürlich darf niemand Christian damit zitieren", wurden die Teilnehmer von der Moderation angewiesen. Ein Sprecher der Bank wollte gegenüber manager-magazin.de keinen Kommentar abgeben. Inhaltlich jedoch entsprechen Sewings Aussagen seinen früheren öffentlichen Äußerungen.

Solange die eigene Aktie derart schlecht bewertet ist, halte er Übernahme-Deals für wenig sinnvoll, sagte Sewing den Managern. Erste Aufgabe der Deutschen Bank sei es, ihre eigene Sanierung hinzubekommen: die Integration der Postbank abzuschließen, die Investmentbanksparte gesundzuschrumpfen und dann wieder zu wachsen.

Nur die Form der Aussage ist neu. Mit seinem Kraftausdruck geht Sewing noch über die Brandbriefe hinaus, die in den vergangenen Wochen beispielsweise von den Vorständen von Continental und Deutscher Bahn an die eigenen Manager gerichtet wurden. Als Motivationshilfe werden solche Ausbrüche von Kommunikationstrainern nicht gesehen, eher kontraproduktiv - aber als sicheres Zeichen, dass die Chefs sich selbst in Bedrängnis fühlen.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH