Mittwoch, 19. September 2018

Deutsche-Bank-Chef Sewing Deutsche Bank bekräftigt trotz Rosskur globale Ambitionen

Europas Banken müssen ihre Stärken bündeln, sagt Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

Die Deutsche Bank will unter ihrem neuen Chef Christian Sewing an ihrer weltweiten Aufstellung festhalten. "Unser globaler Anspruch wird unter meiner Führung nicht zur Debatte stehen", bekräftigte Sewing am Mittwoch in Frankfurt. Es sei vor dem Hintergrund der vielen politischen Krisen in aller Welt wichtig, dass die Deutsche Bank ihre Kunden in ihrem globalen Geschäft begleite. "Diese globale Aufstellung, davon bin ich zutiefst überzeugt, ist heute für unsere Volkswirtschaft so wichtig wie seit dem Fall der Mauer nicht mehr."

In Zeiten unübersehbarer Spannungen zwischen Europa und den USA wäre es "geradezu riskant, die wichtige Funktion der Finanzierung und des Risikomanagements wenigen außereuropäischen Banken zu überlassen", erklärte Sewing, der im April die Führung des größten deutschen Geldhauses übernommen hatte.

Seine Bank hat in den vergangenen drei Jahren Verluste eingefahren und ist weit hinter die Konkurrenz vor allem aus den USA zurückgefallen. Sewing hat der Bank eine Rosskur und die Rückbesinnung auf das Geschäft in Deutschland und Europa verordnet, was mit einem Schrumpfkurs des US-Geschäfts einhergeht.

Fusionsdruck in der Finanzbranche wird laut Sewing zunehmen

Seiner Ansicht nach müssten Europas Banken angesichts zunehmender internationaler Herausforderungen ihre Stärken bündeln. "Es ist ganz klar: Der Konsolidierungsdruck in Europa wird noch erheblich zunehmen", sagte Sewing laut Redetext. Europa brauche nicht möglichst viele Banken, sondern "vor allem starke Banken". Allein im Euroraum gebe es derzeit 5500 Finanzinstitute.

Sewing mahnte: "Damit echte europäische Champions entstehen können, braucht es eine einheitliche Regulierung in Europa, einen einheitlichen Finanzmarkt. Und es braucht eine konstruktive Antwort auf den nahenden Brexit, damit Kontinentaleuropa starke Finanzplätze entwickeln kann."

Nicht nur der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit), sondern auch die politischen Konflikte rund um den Globus bereiten dem Manager Sorgen. "In Zeiten einer nationalisierten Wirtschaftspolitik ist die Welt viel anfälliger für Schocks", warnte Sewing. Die Politik müsse aufpassen, dass sie die Stabilität der Weltwirtschaft nicht nationalen Interessen opfere.

rei/dpa/Reuters

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