Dienstag, 24. April 2018

Wechsel im Aufsichtsrat Deutsche Bank verliert ihre besonderen Bande zur deutschen Industrie

Künftig ohne Rat aus der Industrie: Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

Jahrzehntelang pries der Vorstand der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen die Granatenchancen auf den angelsächsischen Kapitalmärkten. Überraschend war, dass sich das in der Besetzung des Aufsichtsrats kaum wiederfand.

Statt dessen entstammten die prägenden Personen der Crème de la Crème der deutschen Realwirtschaft: Siemens Börsen-Chart zeigen, BASF Börsen-Chart zeigen, SAP Börsen-Chart zeigen, Eon Börsen-Chart zeigen oder Bayer Börsen-Chart zeigen schickten in Dauerschleife Abgesandte in den Aufsichtsrat des wichtigsten deutschen Geldhauses. Die konnten zwar in den Untiefen des internationalen Investmentbankings keine Navigationshilfe leisten, sorgten dafür aber zumindest für stabile Tuchfühlung zur Gruppe der wichtigen Industriekunden.

Inzwischen befindet sich die Deutsche Bank in der schwersten Krise ihrer Geschichte und hat sich zur Rettung unter anderem ausgedacht, den Heimatmarkt und dessen Unternehmen wieder zum Kern ihrer Strategie zu machen.

Überraschend ist nun, dass sich der Aufsichtsrat just in diesem Moment um für diese Strategie besonders geeignete Personen entleert. Künftig wird sich - einmalig in der Geschichte der Bank - kein einziger Vertreter der deutschen oder europäischen Industrie mehr im Aufsichtsrat befinden. Eons Vorstandschef Johannes Teyssen, 58 Jahre alt, will nicht mehr mitmachen; der langjährige SAP-Vorstandschef Henning Kagermann hat mit 70 Jahren die Altersgrenze erreicht. Zudem weichen die amerikanische Top-Anwältin Louise Parent und Dina Dublon, Ex-Finanzchefin von JP Morgan.

Als Ersatz hat Aufsichtsratschef Paul Achleitner zur Wahl im Mai nominiert: den hochdekorierten Wirtschaftsprüfer Norbert Winkeljohann, den ehemaligen Chef der New Yorker Börse und Goldman-Sachs-Topmanager John Thain, Michele Trogni, eine IT- und Datenfachfrau mit langer Karriere bei der UBS, die sich zudem vehement und beherzt für benachteiligte Menschen einsetzt, sowie Mayree Clark, die lange für Morgan Stanley gearbeitet hat, bevor sie Eachwin Capital gründete, das seine Investments hauptsächlich nach der Qualität der Management-Teams auswählt. Inzwischen investiert Clark aber eigentlich nur noch das Geld der eigenen Familie über die Firma.

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Die vier haben alle interessante Karrieren hinter sich. Und sie helfen der Bank auch sicherlich dabei, die wachsenden formalen Vorgaben für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) zu erfüllen, die inzwischen eine voluminöse Matrix von Quotenerfüllung vorsieht. Die Deutsche Bank hat einen wirklich im besten Sinne bunt besetzten Aufsichtsrat.

Aber Aufsichtsräte sind nicht nur für das Schaufenster da. Sie sollen Rat geben - und sie können als Diplomaten dienen. Ein, zwei Vertreter aus der Gruppe ihrer Kernklientel aus der Industrie hätte die Bank jetzt nötiger denn je. Es fand sich nur leider keiner.

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