Sonntag, 18. November 2018

Klammer Großaktionär HNA angeblich vor Ausstieg bei Deutscher Bank

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Gerüchte um einen Ausstieg des klammen Großaktionärs HNA

Der klamme chinesische Deutsche-Bank-Großaktionär HNA steht womöglich vor dem Komplettausstieg bei dem Geldhaus. Der Mischkonzern mit Sitz im chinesischen Haikou plane, seine restliche Beteiligung komplett zu verkaufen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen schrieb.

Der Grund sei der Druck der chinesischen Regierung, HNA solle sich auf das Flugliniengeschäft konzentrieren. Wann und wie der Ausstieg bei der Deutschen Bank erfolgen solle, sei aber noch unklar, hieß es weiter.

Bereits im April hatte HNA die Beteiligung an Deutschlands größtem Geldhaus auf weniger als 8 Prozent reduziert. Zuletzt waren es laut aktueller Angaben der Deutschen Bank noch rund 7,6 Prozent gewesen.

HNA war Anfang vergangenen Jahres zum Hauptaktionär der Deutschen Bank aufgestiegen, vor dem Vermögensverwalter Blackrock und dem Emirat Katar.

Die Chinesen hatten sich in den zurückliegenden Jahren für viele Milliarden verschuldet und bei zahlreichen westlichen Firmen eingekauft, darunter Fluglinien und Hotelketten. Seit einiger Zeit zieht sich HNA aus einigen dieser Investments wieder zurück - nicht zuletzt auf Druck der Geldgeber und des chinesischen Staats. Ein Ausstieg bei der Deutschen Bank käme insofern nicht völlig überraschend, nachdem HNA bereits seit Jahresbeginn den Anteil an dem Institut schrittweise abgebaut hatte.

Erst im Februar hatte HNA seinen Anteil an dem Geldhaus reduziert. "Eine weitere Reduzierung der Beteiligung ist nicht vorgesehen", hatte HNA damals erklärt.

HNA hatte das Aktienpaket, das über den österreichischen Finanzinvestor C-Quadrat gehalten wird, Anfang vergangenen Jahres teilweise auf Pump gekauft und über komplexe Optionsgeschäfte abgesichert. HNA war damit zum Hauptaktionär der Deutschen Bank aufgestiegen, vor dem Vermögensverwalter Blackrock und dem Emirat Katar.

Die Deutsche-Bank-Aktie Börsen-Chart zeigen hat seit Jahresbeginn knapp 30 Prozent verloren. Am Freitag notierten die Papiere unverändert bei 11,66 Euro.

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HNA steht unter Druck: Der Mischkonzern hatte in den zurückliegenden Jahren für rund 50 Milliarden Dollar in aller Welt Beteiligungen und Immobilien erworben. Zuletzt hatte die HNA-Führung die Gläubiger vor einem Liquiditätsengpass gewarnt und damit begonnen, sich von einem Teil der Investments zu trennen, um wieder an flüssige Mittel zu bekommen. Doch der geplante milliardenschwere Börsengang des Schweizer Bordverpflegungs-Unternehmens Gategroup war geplatzt, die milliardenschwere Emission des Flugzeugabfertigers Swissport wurde auf Eis gelegt.

la/dpa/reuters

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