Freitag, 25. Mai 2018

Anleger fliehen, Aktie stürzt Global Player a.D. - Deutsche Bank setzt Kurssturz fort

Deutsche Bank: Ein Global Player a.D., Anleger sagen ade

Die Deutsche Bank bleibt unter Druck: Einen Tag, nachdem Deutschlands größtes Geldhaus einen Gewinneinbruch sowie einen tief greifenden Umbau meldete, suchen weitere Anleger das Weite. Die Aktie der Deutschen Bank baute am Freitag in einem freundlichen Marktumfeld ihre Verluste zeitweise auf 4,5 Prozent aus und fiel auf 11,30 Euro zurück. Der Erholungsversuch und die Gewinne der vergangenen vier Wochen sind damit wieder zunichte gemacht.

Grund ist nicht nur die Skepsis von Analysten. Die Schweizer Bank Credit Suisse hat das Kursziel für die Deutsche Bank nach Zahlen von 13 auf 12 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Neutral" belassen. Das erste Quartal habe die Erwartungen deutlich verfehlt, schrieb Analyst Jon Peace in einer Studie. Die schwache operative Geschäftsentwicklung der der Grund, weshalb er seine Schätzungen bis 2020 und damit auch das Kursziel gekappt habe.

Nach einem schwachen ersten Quartal und dem jüngsten Chefwechsel will sich die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen strategisch neu aufstellen, das Investmentbanking eindampfen und sich künftig auf die Vermögensverwaltung konzentrieren. An der Börse konnte sie mit ihren Plänen am Donnerstag jedoch nicht überzeugen: Der seit Jahresbeginn ohnehin arg gebeutelte Kurs (das Kursminus beträgt seit Jahresbeginn rund 25 Prozent) verlor weitere 1,3 Prozent auf 11,83 Euro.

Nach einem mageren ersten Quartal erhöht der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing beim Konzernumbau das Tempo. Zweieinhalb Wochen nach seiner Beförderung auf den Chefposten streicht der bisherige Privatkundenvorstand das Investmentbanking zusammen. Der Fokus soll verstärkt europäischen Kunden gelten - Firmen wie Privatpersonen. In den USA und in Asien will die Bank die Aktivitäten dagegen zurückfahren.

"Wir denken, das ist die richtige Strategie", schrieb Kian Abouhossein von JPMorgan in einer Studie. Die schwachen Ergebnisse im ersten Quartal seien hierfür ein deutlicher Beleg. Mit seiner gegenwärtigen Aufstellung erwirtschafte das Geldhaus einfach keine nachhaltigen Erträge. Dem neuen Chef Sewing gelte sein Applaus dafür, dass der Manager für die "Schrumpfung" der Aktivitäten so rasch Rückendeckung erhalten habe.

Schrumpfkurs birgt Chancen, doch Zeitplan bleibt unklar

Allerdings, schränkte der Analyst ein, fehle es noch an Details und an einem Zeitplan für die angekündigten Maßnahmen. Mit dieser Ansicht steht er nicht allein da. Auch Christoph Blieffert von der Commerzbank begrüßte zwar die Pläne zur Restrukturierung. "Es braucht aber noch mehr Klarheit und Details", fügte der Analyst hinzu.

Abouhossein zufolge geht es der Deutschen Bank weniger um die Zusammensetzung der Erträge in den einzelnen Geschäftsbereichen. Vielmehr wolle das Institut die Renditen erhöhen und die Risiken minimieren.

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In der Vergangenheit habe die Bank jedoch nicht "liefern", also Erfolge vorweisen können. Es bleibe daher zunächst bei seiner Einstufung "Neutral" für die Aktie mit einem Kursziel von 12 Euro.

Credit Suisse: Alles spricht für Umbau, Investmentbanking enttäuscht erneut

Die schlechten Ergebnisse im ersten Quartal und die schwache Ausstattung der Bank mit Kapital sprächen für einen Umbau, argumentierte auch John Peace von der Credit Suisse. So habe der Gewinn im Investmentbanking, das nun umgekrempelt werden soll, mit 229 Millionen Euro die Konsensprognose von 649 Millionen Euro weit verfehlt.

"Investoren sollten also auf eine tiefgehende Restrukturierung dieses Geschäfts positiv reagieren", sagte der Analyst. Auch Peace blieb jedoch vorerst bei seinem Votum "Neutral" für die Aktien.

Britische HSBC ist mehr als sechs Mal so viel wert wie die Deutsche Bank

Christian Koch von der DZ Bank nannte die Änderung der Strategie "nachvollziehbar". Sie dürfte jedoch mit erneut sinkenden Erträgen einhergehen. Auch sei fraglich, dass die Kosten sinken.

Die tief sitzende Skepsis der Anleger mit Blick auf die Zukunft der Bank spiegelt sich im Kursverlauf wider: Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund ein Viertel eingebüßt. Damit ist sie weit hinter die Papiere der Konkurrenz zurückgefallen - der europäische Bankensektor insgesamt hat in diesem Zeitraum lediglich um 3 Prozent nachgegeben.

Der Börsenwert der Deutschen Bank ist auf knapp 25 Milliarden Euro geschrumpft. Zum Vergleich: Europas wertvollste Bank, die britische HSBC , kommt auf umgerechnet 163 Milliarden Euro.

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Im ersten Quartal, das noch Sewings Vorgänger Cryan zu verantworten hat, ging der Gewinn unter dem Strich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 79 Prozent auf 120 Millionen Euro zurück. Die Erträge gaben um 5 Prozent auf sieben Milliarden Euro nach. Vor allem die Investmentbank musste kräftig Federn lassen - die Erträge der Sparte sanken im Vergleich zum Vorjahresquartal um 13 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Im Gegensatz dazu hatten die meisten Konkurrenten, allen voran die großen Wall-Street-Banken in den USA, hier üppig verdient.

la/dpa/reuters

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