Donnerstag, 24. Mai 2018

Deutsche Bank schreibt 2017 halbe Milliarde Verlust Erträge brechen weg, Kosten bleiben hoch

Immerhin ein Vorsteuergewinn: Doch die bedrohlichen Zeichen bei den Erlösen insbesondere im Schlussquartal müssen Deutsche-Bank-Chef John Cryan zu denken geben

Die Deutsche Bank schreibt ihren dritten Jahresverlust in Folge - vor allem, weil Effekte der US-Steuerreform ihr die Bilanz verhageln. Vor Steuern steht zwar erstmals wieder ein Gewinn. Gleichwohl strafen Anleger die Aktie ab: Denn im Schlussquartal brachen die Erträge der Bank um fast ein Fünftel ein. Zugleich zeigt sich, Cryan hat das Kostenproblem noch nicht in Griff.

Nach dem dritten Verlustjahr in Folge wird der Druck auf Deutsche-Bank-Chef John Cryan immer stärker. An der Frankfurter Börse trennten sich die Aktionäre des größten deutschen Geldhauses nach der Vorlage der Jahresbilanz am Freitag in Scharen von dem Papier. Der Aktienkurs brach in der Spitze um mehr als 6 Prozent ein.

Auf eine halbe Milliarde Euro summierte sich der Nettoverlust für 2017. Cryan verteidigte seinen Kurs und stellte nach drei Jahren harter Sanierung Besserung in Aussicht. Der Umbau der einstigen Vorzeigebank brauche Zeit: "Es war immer klar, dass dies mehr als zwei oder drei Jahre dauern würde", sagte der 57-jährige Brite. Erste Erfolge seien aber sichtbar: "Die Deutsche Bank heute sieht völlig anders aus als die Bank, zu der ich 2015 kam."

Das Institut kommt trotzdem kaum vom Fleck, vor allem im wichtigen Investmentbanking hinken die Deutschen der Konkurrenz hinterher. Hinzu kam mit der größten Steuerreform in den USA seit Jahrzehnten ein weiterer Belastungsfaktor, denn die Verlustvorträge der Bank sind nun weniger wert und erfordern Abschreibungen.

Vor allem wegen dieses Steuereffekts von umgerechnet 1,4 Milliarden Euro musste die Bank für 2017 den dritten Jahresverlust in Folge ausweisen. 2016 hatte der Konzernverlust noch 1,4 Milliarden Euro betragen. Ohne diese Belastung, die im vierten Quartal verbucht wurde, hätte das Institut einen Gewinn von rund 900 Millionen Euro eingefahren. Schon Anfang Januar hatte die Deutsche Bank ihr Abschneiden skizziert und einen "geringen" Jahresverlust nach Steuern angekündigt.

Erträge im Schlussquartal brechen um fast ein Fünftel ein

Vor Steuern blieben dagegen 1,3 Milliarden Euro übrig. Gleichwohl lief es im Tagesgeschäft nicht rund beim deutschen Branchenprimus. Im Gesamtjahr rutschten die Erträge - also die gesamten Einnahmen - auf 26,4 Milliarden Euro ab nach 30,0 Milliarden beziehungsweise 33,5 Milliarden Euro in den beiden Vorjahren. Besonders drastisch sah es im Schlussquartal aus, in dem die Erträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro sanken.

Lesen Sie auch: Boni-Orgie trotz Verlust

Das Geldhaus begründete den Erlöseinbruch im vergangenen Jahr zum einen mit Verkäufen von Tochtergesellschaften und Beteiligungen etwa an der chinesischen Hua Xia Bank oder der britischen Lebensversicherung Abbey Life. Zum anderen machten sich die niedrigen Zinsen und insbesondere die Flaute am Kapitalmarkt negativ bemerkbar.

Darunter hat insbesondere das Investmentbanking zu leiden, eigentlich die wichtigste Geschäftssparte der Deutschen Bank. Allein im Schlussquartal seien die Erträge im Investmentbanking um 16 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zurückgegangen. Im Handel mit Anleihen und Währungen habe der Rückgang 29 Prozent betragen, im Aktienhandel 25 Prozent. Auch andere Institute in den USA hatten wegen der vergleichsweise geringen Volatilität an den Börsen weniger Erträge als im Vorjahreszeitraum.

Auch die vor einem Börsengang stehende Vermögensverwaltungs-Sparte schwächelte im vierten Quartal. Die um den Verkauf der Versicherung Abbey Life bereinigten Erträge gingen im Schlussquartal um 2 Prozent zurück auf 621 Millionen Euro. Auf das Gesamtjahr betrachtet seien die Erträge in der Sparte - bereinigt um den Abbey-Life-Verkauf - um zwei Prozent gestiegen.

Vorstandschef John Cryan gab sich dennoch verhalten optimistisch: "2017 haben wir den ersten Vorsteuergewinn seit drei Jahren verzeichnet - und das trotz eines schwierigen Marktumfeldes, niedriger Zinsen sowie weiterer Investitionen in Technologie und Kontrollsysteme", sagte der Brite. "Wir haben also Fortschritte gemacht, sind aber mit unseren Ergebnissen noch nicht zufrieden."

Analyst: Deutsche Bank verliert Marktanteile, Kosten zu hoch

"Die Zahlen der Deutschen Bank liefern ein gemischtes Bild: Rechnet man die Belastungen durch die US-Steuerreform heraus, lagen die Zahlen im Rahmen der Erwartungen oder waren sogar etwas besser", sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. "Negativ ist allerdings, dass die Bank kontinuierlich Marktanteile verliert. Außerdem sind die Kosten zu hoch. Das Kreditportfolio scheint aber gesund zu sein."

Das Kostenproblem wird Vorstandschef Cryan wohl auch nicht so schnell los: So musste Cryan einräumen, dass 2018 die Kosten mit 23 Milliarden Euro um eine Milliarde Euro über dem Ziel liegen werden. Als Grund gab die Bank Verzögerungen bei geplanten Teilverkäufen an. Unter anderem konnte die Deutsche Bank ihr Spanien-Geschäft nicht wie geplant losschlagen.

rei/Reuters/dpa

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH