Mittwoch, 20. März 2019

Investmentbanken Der delikate Deal der Promi-Bank Mainfirst

Das Blaue vom Himmel: Skyline von Frankfurt, dem Sitz der Investmentbank Mainfirst, die auch Publikumsfonds auflegt und vertreibt

Das Frankfurter Finanzhaus Mainfirst ist einer der Shooting-Stars am deutschen Kapitalmarkt. Nun haben die Eigner einen diskreten Deal in eigener Sache ausgeheckt: Einen Teil ihrer Anteile schoben sie den Anlegern ihres hauseigenen Publikumsfonds unter.

Das Frankfurter Finanzhaus Mainfirst ist eindeutig eine Ausnahmeerscheinung. Nicht nur, dass sie zwei ausgedienten Landesbank-Vorderen Lohn und damit Brot gibt: Siegfried Jaschinski (Ex-LBBW-Chef) und Paul Lerbinger (Ex-HSH-Nordbank-Chef) sitzen in ihrem sechsköpfigen Verwaltungsrat. Mainfirst, gegründet Ende 2001, schrieb zudem zuletzt eine der ganz wenigen Erfolgsgeschichten auf dem deutschen Kapitalmarkt. In der Rangliste für Aktienverkäufe von Unternehmen schoben sich die öffentlichkeitsscheuen Frankfurter Frischlinge 2013 vor etablierte Adressen wie Unicredit und BNP Paribas. Ihr bislang größter Coup: Anfang 2013 düpierten sie sämtliche etablierte Adressen, indem sie Aktien des Mischkonzerns Evonik bei privaten Investoren platzierten - und so für die Essener endlich den Weg zum Börsengang ebneten.

Allerdings haben die Eigner von Mainfirst nach Recherchen von manager magazin online auch mit den Anteilen am eigenen Unternehmen äußerst kreativ gehandelt - mit zweifelhaften Folgen für die privaten Anleger eines ihrer hauseigenen Fonds. Die MainFirst Holding mit Sitz in Zürich betreibt neben einer Investmentbank auch einen Vermögensverwalter und hat dazu von Anlegern mehrere Milliarden Euro eingesammelt.

Ausgangspunkt des bemerkenswerten Deals ist der Ausstieg des Mainfirst-Gründers Patrick Bettscheider Mitte Februar 2014. Damals hieß es, dessen rund 50-prozentiger Anteil würden auf die verbliebenen Partner übergehen, denen die Firma gehört - darunter Jaschinski und Olgerd Eichler, einen in der Branche bestens beleumundeten Fondsmanager. Auf dass kein Fremdling den handverlesenen Eigentümerkreis stören würde. Geschätzter Wert des Pakets: ein hoher zweistelliger Millionenbetrag.

Selbst für einen ehemaligen LBBW-Chef ist das eine kraftraubende Summe. Deswegen entwickelten die Partner einen diskreten Zirkeldeal. Zwar übernahmen sie tatsächlich den Anteil Bettscheiders, allerdings nur für wenige Wochen. Nach Informationen von manager magazin online schoben sie einen wesentlichen Teil des Pakets kurze Zeit später weiter. Ein großer Teil, 22,2 Prozent an der Bank, landete in einem milliardenschweren Publikumsfonds namens "Top European Ideas Fund". Und der wird betrieben von: Mainfirst. Der Fondsmanager: Olgerd Eichler.

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