Montag, 27. Juni 2016

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Risiken für den Dax Drei Börsenbremsen - China, Öl und Großbritannien

David Cameron: Der britische Premier lässt über einen Austritt der Briten aus der EU abstimmen - die Angst vor einem Brexit belastet den Dax zusätzlich

Die Konjunkturschwäche in China und der Ölpreis-Crash haben dem Dax bereits schwer zugesetzt. Nun kommt die Furcht vor einem "Brexit", dem Austritt der Briten aus der EU, als Belastung hinzu.

An der Börse geht - mal wieder - eine rabenschwarze Woche mit deutlichen Kursverlusten zu Ende. Für den Dax Börsen-Chart zeigen steht ein Minus von rund 5 Prozent zu Buche. Die Angst ist zurück - und das hat nicht nur mit China und dem Ölmarkt, sondern auch mit dem Zustand Europas zu tun.

Die Börse handelt Erwartungen an die Zukunft. Hoffnungen lassen Kurse ansteigen, Unsicherheiten sorgen für fallende Kurse. Und Unsicherheiten gibt es derzeit eine ganze Menge - etwa die Angst vor einer Erosion der EU.

China zum Beispiel war lange Zeit so etwas wie der Dünger der Weltwirtschaft. Das Land absorbierte Güter aus dem Westen wie ein Schwamm - vor allem, weil Chinas Unternehmen in vielen Fällen nicht im der Lage waren, gleichwertige Produkte selbst herzustellen. Doch das hat sich gewandelt. Zudem hat die chinesische Regierung die Marschroute geändert: weniger für den Export, mehr für den heimischen Markt produzieren. Infolgedessen sinken das Wachstum Chinas und die Absatzchancen westlicher Unternehmen.

Auch Öl, lange der Schmierstoff der Weltwirtschaft, lässt die Aktienmärkte nun knirschen. Investoren interpretieren den Preissturz des Rohstoffs als Signal für weiterhin schwaches Wirtschaftswachstum. Vereinfacht gesagt: Brummt die globale Ökonomie, ist die Nachfrage unter anderem nach Öl hoch und treibt die Preise. Niedrige Ölpreise sprechen also eine Warnung aus.

Ach, Europa: Nationalisten preschen vor, Briten stimmen über Austritt ab

Und dann wäre da noch der mögliche Brexit, der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. In diesem Jahr soll das britische Volk befragt werden - Ergebnis offen. An der Börse zerbricht man sich über einen möglichen Abschied der Briten (noch) nicht den Kopf. Übrigens auch nicht in der EU, zumindest nicht offiziell. Als die Volkswirte der Europäischen Kommission jüngst den Bericht über den Zustand der EU vorlegten, fanden sich dort Zahlen zu allen möglichen Entwicklungen. Aber nichts zu den Folgen eines Brexit. Die Agentur Reuters beruft sich auf ein Kommissionsmitglied, das sinngemäß von einer Art Maulkorb spricht. Dabei dürfte ein Brexit weitreichende Folgen haben. Immerhin ist das Land die zweitgrößte Wirtschaft des Europäischen Verbunds.

"Ein Brexit würde die Finanzmärkte belasten - auch wenn die möglichen Konsequenzen nicht eindeutig absehbar sind", sagt Sujay Sha von der Fondsgesellschaft BMO Global Asset Management. Das Pfund habe bereits deutlich an Wert eingebüßt, obwohl der Termin für das Referendum noch nicht einmal feststeht.

Was bedeutet das nur für Anleger? Chinesen, Briten und Öl sind Faktoren, die die Weltbörsen weiterhin unter Druck setzen können. Anleger sollten sich also gegen Risiken absichern - um nicht von einem Austrittsvotum der Briten kalt erwischt zu werden. Denn wenn Schlagbäume sich wieder senken und die europäische Wirtschaftszone zerfällt, dürfte das exportstarke Deutschland zu den größten Verlierern gehören.

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Newsletter von Arne Gottschalck

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