Freitag, 22. Februar 2019

Strategie-Debatte der Deutschen Bank Das Holding-Modell - der Reiz der Radikal-Lösung

Die Co-Vorstandschefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (r) und Anshu Jain, hier im Mai 2014 auf der Hauptversammlung, stehen unter Zugzwang.

Bislang wollten die Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen die Sparten der Deutschen Bank eigentlich enger miteinander verzahnen. Inzwischen müssen sie aber auch die genau entgegengesetzte Variante ausloten.

Hamburg - Noch herrscht Unklarheit über die künftige Strategie der Deutschen Bank; erst im zweiten Quartal will der Konzern, der seine selbst gesteckten Ziele größtenteils verfehlt hat, die Öffentlichkeit über seine neue Ausrichtung informieren.

Die Präsentation der Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr am Donnerstag wird in dieser Hinsicht jedenfalls keinen Neuigkeitswert bieten. Der Vorstand will Analysten und Journalisten lediglich per Telefonkonferenz informieren - nicht persönlich, wie seit Menschengedenken üblich - und vornehmlich über die Geschäftszahlen reden.

So bleibt viel Raum für Spekulationen: etwaüber den Verkauf einzelner Spartenteile wie der Postbank Börsen-Chart zeigen oder sogar des gesamten Privatkundengeschäfts, ebenso wie über harsche Einschnitte im Investmentbanking. Eine Variante aber wird nach Informationen von manager magazin online im Konzern - und bislang nicht in der Öffentlichkeit - bereits sehr konkret diskutiert: ein Holding-Modell.

Auf den ersten Blick fällt es weniger drastisch aus als etwa ein Postbank-Verkauf. Langfristig indes wären die Folgen enorm, denn faktisch liefe es auf die Zerschlagung des Konzerns hinaus. Kern des Holding-Modells ist die Gründung einzelner Aktiengesellschaften mit eigener Führung, Refinanzierung und Rechnungslegung. Der vorgeschaltete Holding-Vorstand trüge die Gesamtverantwortung, wäre operativ aber weniger eingebunden als jetzt.

Das wäre ein Bruch mit der Philosophie des Vorstands um die Co-Chefs Anshu Jain (52) und Jürgen Fitschen (66). Deren Credo war bislang, die sogenannte Silo-Struktur mit strikt getrennten Unternehmensbereichen zusammenzuführen, die ihnen ihr Vorgänger Josef Ackermann (67) 2012 hinterlassen hatte.

Durch das Auflösen der Silos und die viel stärkere Verflechtung einzelner Sparten wollten Jain und Fitschen Kosten senken und Synergien heben. Ein nachvollziehbarer Gedanke. Allerdings hat er die Komplexität des Geschäftsmodells dramatisch erhöht und nicht verhindern können, dass das Management seine Ziele verfehlt.

Das Holding-Modell hätte den Charme, dass transparenter würde, wie rentabel die einzelnen Sparten wirtschaften. Das wiederum würde Optionen schaffen für die Zukunft - etwa den Börsengang einzelner Bereiche wie des Privatkundengeschäfts PBC.

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