Sonntag, 28. August 2016

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Verbotene Cum-Ex-Geschäfte Skandal um dubiose Aktiendeals erreicht M.M. Warburg

Razzia beim Bankhaus M.M. Warburg: Ermittler ließen die Zentrale des Traditionshauses nahe der Hamburger Alster durchsuchen. Die Bank soll in dubiose Aktiengeschäfte verwickelt sein
obs / M.M.Warburg & CO / Aloys Kiefer
Razzia beim Bankhaus M.M. Warburg: Ermittler ließen die Zentrale des Traditionshauses nahe der Hamburger Alster durchsuchen. Die Bank soll in dubiose Aktiengeschäfte verwickelt sein

Der Skandal um dubiose Aktiendeals, mit denen Banken Milliarden Euro Steuern hinterzogen haben, erreicht nun auch die angesehene Privatbank M.M. Warburg. Ermittler durchsuchten die Zentrale in Hamburg. Die feine Adresse für vermögende Kunden weist die Vorwürfe zurück.

Jetzt auch M.M. Warburg - ausgerechnet Warburg, möchte man meinen. Die traditionsreiche, feine hanseatische Adresse für vermögende Kunden, die mittlerweile mehr als 50 Milliarden Euro verwaltet. Ja, auch die 1798 gegründete Privatbank soll wie viele andere Institute mit dubiosen Aktiendeals den Fiskus um viel Geld betrogen haben.

In "kriminelle Aktiengeschäfte" in Höhe von bis zu 150 Millionen Euro soll die Bank verwickelt sein, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" am Dienstag. Nach Informationen der Zeitung hätte die Kölner Staatsanwaltschaft vor etwa vier Wochen die Hamburger Zentrale durchsucht.

Die Ermittler hätten Belege für sogenannte Cum-Ex-Geschäfte gesucht, in die die Bank verwickelt sein soll. Geschäfte also, bei denen sich die Akteure beim Handel von Aktien mit (Cum) und ohne Dividende (Ex) die dabei anfallende Kapitalertragssteuer mehrfach haben erstatten lassen.

Mehr als 100 Banken und Fonds im In- und Ausland sollen den deutschen Fiskus so über Jahre um mehr als zehn Milliarden Euro betrogen haben - und jetzt also auch M.M. Warburg.

Fünf Manger der Traditionsbank stehen dem Bericht zufolge unter Verdacht, darunter Christian Gottfried Olearius (73). Fast drei Jahrzehnte führte er das Bankhaus, bevor er 2014 den Stab an seinen Sohn Joachim weiterreichte. Zusammen mit Max Warburg, seinem Vize im Aufsichtsrat der Bank, hält C.G. Warburg 80 Prozent der Anteile.

Auch Christian Gottfried Olearius, Anteilseigner und Jahrzehnte Chef der Bank M.M. Warburg, soll unter Verdacht stehen
Warburg hat am Dienstag die Razzia von Mitte Januar bestätigt, weist aber die Anschuldigungen zurück. Die Bank unterstütze "die Ermittlungen vollumfänglich". Die Zeitung zitiert dabei aus Antworten auf eine Anfrage an die Bank. Diesen zufolge gingen die Strafverfolger aus Köln dem Verdacht nach, "dass die Bank Rechnungen akzeptiert und gezahlt habe, ohne dass dafür Leistungen erbracht worden seien. Die Bank hat keine Kenntnisse, die diesen Sachverhalt bestätigen", heißt es in den zitierten Antworten.

Weiter antwortete die Bank laut "SZ", die Aktiengeschäfte seien "unter Berücksichtigung der gesetzlichen Anforderungen" erfolgt. Eine "mehrfache Erstattung von Steuern hat die Bank weder erhalten noch beantragt".

Spitzfindig merkt die Zeitung dazu an, dass jede Bank, die eine mehrfache Erstattung von gezahlten Steuern beantragt hätte, natürlich sofort aufgeflogen wäre. Tatsächlich aber seien bei besagten Cum-Ex-Geschäften die Aktiendeals nach Erkenntnis der Ermittler trickreich und kompliziert über viele Stationen im In- und Ausland abgelaufen - um eben Spuren zu verwischen und die Finanzbehörden zu täuschen.

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