Montag, 15. Oktober 2018

Vermögensverwaltung liefert Credit Suisse macht mit reichen Privatkunden Kasse

Tidjane Thiam: Der Credit-Suisse-Chef will die Vermögensverwaltung weiter ausbauen

Vermögende Privatkunden füllen der Schweizer Großbank Credit Suisse die Kassen. Das soll nach Willen von Tidjane Thiam auch so bleiben. Der Konzern-Chef erklärt die Restrukturierung für beendet und will sich auf den Ausbau der lukrativen Vermögensverwaltung konzentrieren.

Bei der Credit Suisse zahlt sich der jahrelange Umbau von einer Investmentbank zu einem Vermögensverwalter für reiche Privatkunden zunehmend aus. Das zweitgrößte Schweizer Institut verdoppelte vor allem dank eines Ertragswachstums den Gewinn im zweiten Quartal und sieht die von Analysten teilweise als ambitioniert eingestuften Jahresziele in Griffweite. "Wir sind durch mit der Restrukturierung", erklärte Konzernchef Tidjane Thiam. "Credit Suisse ist gut positioniert, um einer der absoluten Gewinner in der Bankenbranche zu sein."

Der Zürcher Konzern hebt sich mit seinen Fortschritten von der Deutsche Bank ab, die ungefähr gleichzeitig mit dem Umbau begann, aber immer noch mit zahlreichen Baustellen zu tun hat.

Schon bald nach seinem Amtsantritt im Sommer 2015 stieß Thiam eine Neuausrichtung des Instituts an. Der ehemalige Versicherungsmanager machte die Bank krisenfester, dampfte das riskante Investmentbanking ein und setzte stattdessen stärker auf die stabilere und wachsende Vermögensverwaltung. Im Visier hat die Credit Suisse dabei vor allem Unternehmer in Schwellenländern wie Asien im.

Diese Strategie scheint aufzugehen. Im ersten Halbjahr 2018 konnte das Institut mehr Neugeld anziehen als die beiden Schweizer Konkurrenten UBS und Julius Bär. Kaum ein Geldhaus hat sein Vermögensverwaltungsgeschäft enger mit dem Kapitalmarkt-Beratungsgeschäft verzahnt als die Credit Suisse.

Gewinn verdoppelt - Handels-Division enttäuscht aber erneut

Im Handel mit Aktien und Anleihen backt das Institut dagegen inzwischen deutlich kleinere Brötchen als die großen US-Investmentbanken wie Goldman Sachs, JP Morgan oder Bank of America. Mit einem Einbruch des Vorsteuergewinns um 42 Prozent verfehlten die Zürcher in der Handels-Division Global Markets die Analysten-Erwartungen. "Während es den Privatbank-Geschäften gut läuft, enttäuscht Global Markets erneut und schneidet weiterhin schlechter ab als die anderen Häuser", erklärt Vontobel-Experte Andreas Venditti.


Deutsche Bank: Gewinn steigt, Probleme bleiben


Insgesamt überwogen bei den Analysten aber positive Einschätzungen. Der Nettogewinn sprang um 114 Prozent auf 647 Millionen Franken ließ - Credit Suisse die Markterwartungen damit hinter sich. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Steuern sei um 88 Prozent auf 1,28 Milliarden Franken (1,11 Milliarden Euro) gestiegen. Die Erträge legten um 7 Prozent auf 5,6 Milliarden Franken zu. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 674 Millionen Franken und damit 114 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Und obwohl die Bank wie zuvor etwa auch die UBS vor den möglichen Auswirkungen der geopolitischen Spannungen auf das Geschäft warnte, bekräftigte der Konzern die Rendite-Ziele für die einzelnen Divisionen im laufenden Jahr.

Demnach soll 2019 soll die Eigenkapitalrendite auf dann 10 bis 11 Prozent anziehen von 7,2 Prozent im Halbjahr 2018. Schub erhofft sich die Bank unter anderem von niedrigeren Finanzierungskosten und der Abwicklung von defizitären Geschäften. Im Dezember will Thiam auf einem Investorentag die Marschrichtung nach Abschluss der Restrukturierung vorgeben. Schon jetzt ist klar; der Ivorer wird weiter auf Wachstum setzen und sieht in Märkten wie Südamerika oder China großes Potenzial.

rei/Reuters

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