Mittwoch, 31. August 2016

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Tidjane Thiam saniert Credit Suisse Dieser Topbanker kürzt sich selbst den Bonus

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam: "Ich kann nicht von anderen Opfer verlangen und selber keine bringen"

Tidjane Thiam, der Konzernchef der Credit Suisse , kürzt sich nach dem schlechten Jahresergebnis selbst den Bonus. Er habe dem Verwaltungsrat eine markante Kürzung seines Bonus beantragt, sagte er in einem Interview mit der "Sonntags Zeitung". Wie groß die Kürzung sein wird, gab Thiam nicht bekannt. Innerhalb des Führungsteams sei der Einschnitt bei seinem Bonus jedoch am größten, sagt er. "Ich kann nicht von anderen Opfer verlangen und selber keine bringen."

Insgesamt hat die Credit Suisse den Bonustopf um 11 Prozent reduziert. Im Handelsgeschäft, das 2015 einen Verlust geschrieben hat, sind die Boni laut Thiam um 36 Prozent gekürzt worden. "Das hat es bei der CS noch nie gegeben."

Die Credit Suisse hat das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Verlust von 2,9 Milliarden Franken abgeschlossen. Grund dafür ist vor allem eine Wertberichtigung auf einer Akquisition aus dem Jahr 2000. Warum die Credit Suisse diesen Abschreiber erst jetzt vornahm, begründete Thiam mit der Änderung der Unternehmensstrategie. "Vorher gab es andere Businesspläne, die zeigten, dass der Goodwill werthaltig war."

Eine andere Altlast aus der Zeit seines Vorgängers Brady Dougan ist offenbar, dass die Investmentbank der CS immer noch hochriskante Geschäfte tätigt. So hat diese gemäß Thiam für insgesamt 1,8 Milliarden Franken Anleihen und Kredite von zusammengebrochenen Unternehmen gekauft. "Wir sind jetzt dabei, diese Positionen zu beseitigen, und wir sind auch vor Entlassungen nicht zurückgeschreckt", sagte er.

Der neue Credit-Suisse-Chef kann dem schlechten Jahresabschluss und dem schlechten Start ins neue Jahr auch Gutes abgewinnen. Es erleichtere auch die Durchsetzung der Restrukturierung, sagte er. Denn: "Lange Diskussionen um die Notwendigkeit fallen weg."

Die Credit Suisse hat angekündigt, bis in drei Jahren insgesamt 5000 Stellen abzubauen und die jährlichen Kosten um 3,5 Milliarden Franken zu reduzieren. In der Schweiz sollen 1600 Stellen wegfallen.

Thiam appellierte an die Geduld der Anleger. "Der Turnaround wird viel Zeit beanspruchen", so Thiam in der schweizerischen Zeitschrift "Finanz und Wirtschaft". "Ich habe das von Anfang an betont und gewarnt, dass die Jahre 2015 und 2016 schwierig werden", betonte der Manager.

Der Markt habe sich nicht gegen die CS im Besonderen gedreht, vielmehr sei das Umfeld enorm herausfordernd geworden, so Thiam weiter. "Die Welt sieht komplett anders aus als zu der Zeit, in der wir unsere Strategie entwickelt haben." In den Resultaten der CS habe es auch viele Punkte gegeben, die positiv und ermutigend seien. Der Markt habe sich allerdings auf die Probleme im Investment Banking fokussiert, glaubt der Vorstandsvorsitzende.

Thiam sieht die gesetzten langfristigen Ziele trotz der gewachsenen Herausforderungen nach wie vor als erreichbar an. "Wir stehen erst im zweiten Monat des Weges, und wir haben weitere 35 Monate vor uns." Es sei zu früh, die Zielerreichung für unmöglich zu erklären. Schließlich könne das Sentiment im Markt innerhalb eines Quartals von der einen Seite auf die andere kippen.

Das Engagement der CS im Öl- und Gassektor bezeichnet Thiam derweil nicht als besonders hoch. "Im letzten Quartal verbuchten wir 600 Millionen Schweizer Franken Bewertungsverluste auf Finanzanlagen. 127 Millionen stehen in Verbindung mit Öl und Gas. Alle unsere Kredite an den Sektor sind gedeckt", beruhigt er. Die schwankenden Ölpreise machen dem CS-Chef daher keine Sorgen. Dagegen hätten Positionen im Bereich Festverzinsliche mit Verlust eliminiert werden müssen.

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ts/dpa-afx

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