Montag, 24. September 2018

Historischer Kursrutsch Deutsche-Bank-Aktie stürzt auf 35-Jahres-Tief

Die Aktie der Deutsche Bank beschleunigt ihren Kursrutsch - und stürzt auf ein Rekordtief von 8,76 Euro. Anleger fliehen.

Der Dax Börsen-Chart zeigen taumelt, und auch die Aktie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen beschleunigt ihren Kursrutsch: Am Mittwochvormittag fiel die Aktie zeitweise unter die Marke von 9 Euro und markierte mit 8,76 Euro den tiefsten Stand seit 35 Jahren. Bis zum frühen Nachmittag stabilisierte sich der Kurs knapp unter 9 Euro.

Im Herbst 2016 war das Papier zeitweise unter die Marke von 10 Euro und kurzzeitig auf 8,83 Euro gestürzt, als Investoren den Kollaps des Instituts fürchteten. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung hat sich der Kursrutsch nun wieder beschleunigt.

Händler begründeten den Kursrutsch vor allem mit dem weiter fallenden Gesamtmarkt: "Anleger trennen sich von Risiken, und die liegen nach wie vor bei den Geldhäusern", sagte ein Händler. Der Dax hat zuletzt vom Hoch am 15. Juni knapp 8 Prozent eingebüßt. Vor allem die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen des weltweiten Handelskonflikts lastet schwer auf der Börsenstimmung.

Die Deutsche Bank berge große Risiken, schrieb Analyst Andrew Lim von der Societe Generale in einer Studie. Sie verliere Marktanteile und sei schwach mit Eigenkapital ausgestattet. Marktanteile büße das Institut vor allem im Aktiengeschäft ein. "Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich das Haus stabilisiert", schrieb Lim. Im Investmentgeschäft verfüge die Bank nicht über die kritische Masse, um eine ausreichende Rendite auf das eingesetzte Kapital zu erzielen.

Bankensektor europaweit unter Druck

Der europäische Bankensektor war am Mittwoch mit einem Minus von 1,4 Prozent der größte Verlierer auf dem Branchentableau. Dies bestätigt auch den Trend seit Jahresbeginn mit einem Abschlag von 14 Prozent. Italienische Bankentitel büßten in Mailand am Mittwoch zwischen 2 und 3 Prozent ein. Anteile der Commerzbank verbilligten sich im Dax um 2,3 Prozent auf den niedrigsten Kurs seit April vergangenen Jahres

Aktienkurs der Deutschen Bank seit 1973 (zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)
manager magazin
Aktienkurs der Deutschen Bank seit 1973 (zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)

Bei Aktionären und Mitarbeitern der Deutschen Bank herrscht schon seit Monaten Untergangsstimmung - trotz der Radikalkur, die der neue Chef Christian Sewing dem Institut verschrieben hat. Sewing versucht bislang vergeblich, die Stimmung zu drehen: "Viele von Ihnen haben die schlechten Nachrichten satt", schrieb Sewing seinen Mitarbeitern jüngst. "Mir geht es genauso." Jetzt - nach der Herabstufung durch die Ratingagentur S&P, dem offiziellen Siegel "Problembank" von US-Behörden und einer Woche mit Aktienkurs auf historischem Tief - gelte es nach vorn zu schauen. Die Deutsche Bank werde "beweisen, dass wir eine andere Bewertung an den Finanzmärkten verdient haben".

Nach wenigen Wochen im Amt klingt der neue Chef der Deutschen Bank schon fast wie ein italienischer Regierungschef. Was hat der Konzern nicht schon alles für Anstrengungen unternommen - Altlasten beiseite geräumt, Kapital für den Notfall gesammelt (mehrmals), interne Reformen angestoßen, einen Neuanfang mit neuen Köpfen und neuer Strategie verkündet, die jetzt auch wirklich durchgezogen werden soll ... aber diese verflixten Märkte wollen das einfach nicht anerkennen.

Zahlungsabwickler Wirecard inzwischen wertvoller als die Deutsche Bank

Bei einem Aktienkurs von unter 9 Euro hätte die Deutsche Bank mit ihren derzeit rund 2,07 Milliarden Aktien einen Börsenwert von nicht einmal 18 Milliarden Euro. Selbst der im TecDax notierte Zahlungsabwickler Wirecard Börsen-Chart zeigen kommt derzeit auf einen höheren Wert an der Börse.

Zum Vergleich: Der Buchwert des Kapitals der Aktionäre der Deutschen Bank belief sich zum 31. März auf 61 Milliarden Euro. Der aktuelle Kurs enthält also einen Rabatt von mehr als zwei Dritteln auf den fundamentalen, inneren Wert der Aktien - sofern man das Urteil der Finanzprofis der Bank und ihrer Rechnungsprüfer für bare Münze nimmt. Ein Schnäppchen also?

Schlechte Stimmung heißt auch: Höhere Eigenkapitalkosten

Gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis sei die Aktie ja schon länger "äußerst günstig", schreibt Christian Koch von der DZ Bank. Zum Kauf mag er sie trotzdem nicht mehr empfehlen - noch in der Vorwoche, als Christian Sewing auf der Hauptversammlung zum Aufbruch rief, hatte er das als einer der letzten Analysten getan - während die Kollegen von Barclays, Citigroup, Société Générale oder KBC schon "verkaufen" und "Kursziel 8 Euro" riefen.

Innerhalb dieser einen Woche ist aus Sicht des Deutsche-Bank-Optimisten Koch der "faire Wert" je Aktie von 13,50 Euro auf 9,50 Euro gesunken. Als Begründung nennt er die schlechten Nachrichten und das schwache operative Geschäft. Es sei "schwer prognostizierbar", wie sich die Bank aus der "Abwärtsspirale" befreien könne.

Die schlechte Stimmung beeinflusst nämlich nicht nur den Kurs (weil Aktionäre in ihrem Herdentrieb aufeinander reagieren, statt sich an einer Schätzung des objektiven Werts zu orientieren), sondern hat auch ganz reale Auswirkungen. Die "drastisch gestiegene Unsicherheit" bringe auch "höhere Eigenkapitalkosten". Barclays-Mann Amit Goel hatte vor genau dem Downgrade von S&P, das die Deutsche Bank nun tatsächlich bekommen hat, gewarnt: als "negativer Katalysator, wenn es zu weiteren Abflüssen von Kundengeld und Marktanteilsverlusten führt".

Seite 1 von 2

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH