Sonntag, 18. November 2018

Kerngeschäft Firmenkunden Commerzbank und die Digitalisierung - ein Trauerspiel in fünf Akten

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt

Wer Martin Zielke zuletzt zuhörte - der musste glauben, die Commerzbank sei in Sachen Digitalisierung jetzt ganz weit vorn. "Wir sind die disruptive Großbank in Deutschland", ließ sich der Chef der Frankfurter Großbank zitieren. Und in einer hübsch gesetzten PR-Offensive zur sogenannten "Digital Campus"-Initiative vermittelte das Institut den Eindruck, nach dem Privatkunden- werde jetzt auch das Firmenkundengeschäft mit Hochdruck technologisiert.

Nun hat die Commerzbank Börsen-Chart zeigen im Retail-Geschäft tatsächlich klare Fortschritte gemacht. Bei der Digitalisierung des Firmenkundenbereichs hingegen klafft zwischen öffentlicher Selbstvermarktung und Wirklichkeit eine gewaltige Lücke, zeigen Recherchen des Branchen-Newsletters Finanz-Szene.de. Ein Trauerspiel in fünf Akten:

1. Akt - Die großen Ankündigungen 2014

Die Älteren werden sich erinnern: Eine ähnliche Welle von Ankündigungen wie jetzt hat die Commerzbank vor mittlerweile dreieinhalb (!) Jahren schon einmal losgetreten. Damals wurde der hauseigene Startup-Entwickler "Main Incubator GmbH" mit dem expliziten Ziel gegründet, das Firmenkundengeschäft zu digitalisieren. In der damaligen Pressemitteilung hieß es wörtlich: Das hundertprozentige Tochterunternehmen (also der Main Incubator) "fördert und investiert in Startups mit innovativen Lösungen mit Schwerpunkt auf dem Firmenkundengeschäft".

2. Akt - Millionenschwere Investments, von denen nun die direkte Konkurrenz profitiert

Schon 2014 ging die Commerzbank via "Main Incubator" zwei "strategische Investments" ein, wie das damals hieß. Bei dem einen handelte es sich um den Münchner Datenanalyse-Spezialisten Gini, bei dem anderen um den B2B-Payment Anbieter Traxpay. Was aus diesen "strategischen Investments" geworden ist? Traxpay ist schon seit Monaten ins Firmenkundengeschäft der NordLB integriert - nicht jedoch in das der Commerzbank. Gini wiederum war von vornherein (Stichwort "Schwerpunkt auf dem Firmenkundengeschäft" …) ein strategisch eher seltsames Investment - denn bis heute beschränkt sich das Münchener Fintech auf den Retail-Bereich. Dort ist Gini freilich inzwischen mit fast jeder bekannten deutschen Bank live, von der Deutschen Bank über die HVB bis hin zur ING Diba und den Sparkassen. Aber nicht mit der Commerzbank.

Mit anderen Worten: Die selbsternannte "disruptive Großbank in Deutschland" hat mit ihren millionenschweren "strategischen Investments" Fintechs gepäppelt, die nun dafür sorgen, dass die direkte Konkurrenz ihre digitalen Angebote verbessert (wobei man natürlich argumentieren kann, dass die Coba zumindest finanziell profitiert, wenn die eigenen Beteiligungen Kunden gewinnen). Auf die Frage, mit welchen "Main Incubator"-Beteiligungen die Commerzbank im Firmenkundengeschäft überhaupt live ist, heißt es: "Sowohl mit Optiopay als auch mit Bilendo gibt es Kooperationsverträge. Die Zusammenarbeit macht uns viel Freude, ist sehr konstruktiv und geht bereits über die Pilotphasen hinaus. Zudem gibt es aus dem Portfolio des Main Incubators weitere Piloten und Gespräche bezüglich potenzieller Kooperationen, die über Anwendungen im Firmenkundengeschäft hinausgehen."

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