Freitag, 15. Dezember 2017

Übernahmepläne Commerzbank ruft Goldman Sachs zu Hilfe

Commerzbank unter Spannung

Avancen gab es in der Vergangenheit mehrfach - jetzt holt sich die Commerzbank offenbar mit Goldman Sachs und Rothschild Spezialisten an die Seite, um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, berichtet die "Financial Times". Von einer reinen Abwehrmaßnahme kann aber wohl keine Rede sein.

Die Commerzbank hat offenbar nach den jüngsten Übernahmeavancen aus Frankreich und Italien die US-Investmentbank Goldman Sachs engagiert. Goldman Sachs solle bei Abwehrmaßnahmen gegen eine mögliche Übernahme beraten, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Insider am Dienstag. Goldman Sachs und die Commerzbank lehnten eine Stellungnahme ab.

Der Financial Times (kostenpflichtig) zufolge, die zuerst darüber berichtete, hat die Commerzbank auch die Investmentbank Rothschild als Berater angeheuert. Unter anderem die italienische Großbank Unicredit und die französischen Großbanken BNP Paribas und Credit Agricole werden als mögliche Interessenten für die Coba gehandelt. Zuletzt hatte sich sogar Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für eine Annäherung von BNP Paribas und Commerzbank ausgesprochen.

Die FT berichtet im Gegensatz zu Reuters, dass sowohl Rothschild als auch Goldman die Commerzbank generell bei einer möglichen Übernahme beraten sollen - dass die Fachleute also nicht ausschließlich zur Abwehr eines Übernahmeversuchs einer fremden Bank eingekauft worden seien.

Trotz ihrer Altlasten gilt die Commerzbank für größere Wettbewerber als attraktiv. Schließlich zählt sie zu den bedeutendsten Kreditgebern des deutschen Mittelstands - das eigentliche Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

Eine Übernahme der Commerzbank wäre der größte Deal im deutschen Bankensektor seit mehr als einem Jahrzehnt und könnte zugleich Startschuss für weitere grenzüberschreitende Bankenfusionen in ganz Europa sein, zeigt man sich bei der "Financial Times" überzeugt.

Davor steht allerdings kein geringerer als der deutsche Finanzminister der noch amtierenden und künftig neuen Bundesregierung. Der Bund, der 15,6 Prozent an der Commerzbank besitzt, hatte zuletzt wiederholt erklärt, er habe keine Eile beim Verkauf des Staatsanteils. Das ist verständlich, will der Bund dem Steuerzahler doch keinen Verlust mit dem Verkauf der Coba-Anteile zumuten. Damit ein Ausstieg finanziell nicht zum Verlustgeschäft wird, müsste der Aktienkurs um mehr als 50 Prozent steigen.

Auch der US-Finanzinvestor Ceberus hatte zuletzt erklärt, dass er der Coba als langfristiger Investor erhalten bleibe. Seit dem Sommer halten die Amerikaner mehr als 5 Prozent an der zweitgrößten deutschen Privatbank, ihr Anteil macht sie zum zweitgrößten Aktionär nach dem Bund.

Letztlich aber wird die neue Regierungskoalition entscheiden müssen, was der deutsche Staat mit der "Altlast" anstellt. Der Bund hatte die Commerzbank während der Finanzkrise teilverstaatlicht.

Gerüchte um Ausstieg des Bundes: Gleich zwei Banken buhlen um Commerzbank

mit Reuters

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