Donnerstag, 29. September 2016

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Klaus-Peter Müller unter Druck Warum bei der Commerzbank der Stuhl des Aufsichtsratschefs wackelt

Commerzbank-Chef Martin Blessing (l) geht, sein Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller möchte gerne bleiben: Müllers Vertrauensspeicher leert sich

Im Networking machte Klaus-Peter Müller (71) lange keiner etwas vor. Ehrenämter sammelt der Aufsichtsratschef der teilstaatlichen Commerzbank wie Flugmeilen; als ewiges CDU-Mitglied ist der Rheinländer mit Hang zum Männerwitz der bestverdrahtete Banker des Landes. Das half verblüffend gut, Schwächen im Kerngeschäft, dem Banking, wegzumoderieren.

Inzwischen leert sich der Vertrauensspeicher bedrohlich. Eine Verlängerung seines Mandats, das im Frühjahr 2018 abläuft, wird ausgeschlossen, mehr noch: Mächtige Kräfte in der Politik, die über Aufsichtsrat und Regulatoren auf die Bank einwirken, machen seinen Verbleib im Amt davon abhängig, wer Vorstandschef Martin Blessing (52) im Amt folgt, der seinen Vertrag im Oktober 2016 auslaufen lässt.

Wenn Blessings Nachfolger seinen Job nur mit einem neuen Counterpart an der Aufsichtsratsspitze antreten will, werden die Frondeure Müller opfern.

Blessing, der mit der abrupten Ankündigung seiner beruflichen Neuorientierung an einem Sonntagnachmittag im November die Runderneuerung anstieß, kann den Dingen ihren Lauf lassen. Er geht seit geraumer Zeit wieder aufrecht durch Frankfurt. Die Skandalnudel Deutsche Bank dient als Kugelfang, zudem kann er operative Fortschritte vermelden. Das nahe Ende macht zusätzlich heiter.

Reibungslose Chef-Besetzung ist die Königsdisziplin des Chefaufsehers

Müller dagegen, den Blessings Parforce-PR völlig überrumpelte, ist blamiert: Schließlich ist die reibungslose Besetzung des CEO-Postens die Königsdisziplin des Aufsichtsratschefs. "Blessing hat Müller erdolcht", sagt ein Insider.

Der hält sich gleichwohl für unersetzlich. Zwischen 2001 und 2008 war er Vorstandschef, um direkt danach - entgegen der Empfehlung der Corporate-Governance-Kommission, der er selbst vorsaß - an die Aufsichtsratsspitze zu wechseln.

Sein Leistungsnachweis ist, alles in allem, verheerend. Unter Müllers Regie überhob sich die Bank mit den Käufen von Eurohypo, Essenhyp und Dresdner. Anfang 2009 musste der Bund die Commerzbank notverstaatlichen - bis heute ist Berlin mit mehr als 15 Prozent größter Eigner und höchst aktiv. 2015 etwa ließen die Staatsdiener mit ihrer Hauptversammlungsmehrheit Müllers Plan für eine neue Bonusregel formschön scheitern.

Headhunter sind ausgeschwärmt

Jetzt müht sich der Oberaufseher tapfer als offizieller Leiter der CEO-Findungskommission; Eingeschaltet hat er neben den Headhuntern von Egon Zehnder einen Londoner Agenten, der bereits Tidjane Thiam (53) zur Credit Suisse gelotst und Kontakt zu SEB-Chefin Annika Falkengren (53) sowie Nordea-Frontmann Christian Clausen (60) aufgenommen hat.

Dafür, dass Müller durch die Wahl des neuen CEO nicht vor allem seinen eigenen Job absichert, soll im Auftrag der Politik Markus Kerber (52) sorgen, Ex-Banker, im Hauptberuf BDI-Hauptgeschäftsführer und starker Mann im Nominierungsausschuss.

Müller selbst fand einige Zeit viel Gefallen an Eric Strutz (51), 2012 auf eigenen Wunsch als CFO aus dem Konzern ausgeschieden und als Aufsichtsrat bei HSBC Trinkaus und der Schweizer Partners Group beruflich unausgelastet. Und vor allem: Strutz dürfte kaum etwas gegen einen Aufsichtsratschef Müller einzuwenden haben.

Allein: Der Mann will sich seine Work-Life-Balance nicht zerstören lassen und hat abgesagt.

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