Sonntag, 19. August 2018

Operativer Gewinn sinkt Commerzbank verdient mit Neukunden bislang kaum Geld

Commerzbank-Chef Martin Zielke investiert viel in die Gewinnung von neuen Kunden, aber ertragreich ist das nicht

Die Commerzbank gewinnt immer mehr (Privat)Kunden hinzu - bis 2020 soll ihre Zahl auf 14 Millionen wachsen. Doch viel Geld verdient sie damit noch nicht. Der operative Gewinn sank sogar im ersten Quartal. Unter dem Strich konnte die Bank, die kaum Steuern zahlt, ihren Gewinn steigern. Deshalb strebt Coba-Chef Zielke auch eine Dividende für das Jahr 2018 an.

Die Commerzbank spürt trotz steigender Kundenzahlen weiterhin die niedrigen Zinsen und den harten Wettbewerb. Der Gewinn vor Steuern sank im ersten Quartal um 12 Prozent auf 289 Millionen Euro, teilte das Institut am Dienstag mit. Da die Bank kaum Steuern zahlen musste, stieg der Konzerngewinn um 9 Prozent auf 250 Millionen Euro.

Insgesamt sieht sich der Vorstand nach zwei mageren Jahren auf Kurs zu einem wieder steigenden Überschuss 2018 - auch wegen einer breiter werdenden Kundenbasis. "Wir wachsen in unserem Kerngeschäft und digitalisieren unser Geschäftsmodell", erklärte Konzernchef Martin Zielke.

An der Börse wurden die Zahlen positiv aufgenommen. Die Aktie legte bis zum Mittag rund 3 Prozent zu und führte damit den Dax an. Seit Jahresbeginn sank die Marktkapitalisierung Bank um rund 14 Prozent auf etwas mehr als 13 Milliarden Euro. Die Bank ist damit an der Börse weniger wert als der Münchener Zahlungsabwickler Wirecard. Das Fintech-Unternehmen kommt nach einer seit Jahren anhaltenden Kursrally inzwischen auf mehr als 15 Milliarden Euro.

Plus 73.000 Kunden im ersten Quartal

Im ersten Quartal gewann die Bank nach eigenen Angaben rund 73.000 Kunden. "Wir wachsen in unserem Kerngeschäft mit Privat- und Firmenkunden", sagte Vorstandschef Martin Zielke. "Für das Geschäftsjahr 2018 streben wir wie angekündigt die Ausschüttung einer Dividende an." Dafür habe das Institut im ersten Quartal fünf Cent je Aktie bei Seite gelegt. Zuletzt hatte die Commerzbank für 2015 eine Dividende von 20 Cent je Aktie gezahlt - die bisher einzige Gewinnausschüttung seit der Finanzkrise.

"Wachstum ist unsere Antwort im weiterhin sehr wettbewerbsintensiven deutschen Bankenmarkt", sagte Finanzchef Stephan Engels. Seit Verkündung der Strategie im Herbst 2016 sei die Kundenzahl in Deutschland somit um 712.000 gewachsen. Bis 2020 will die Bank 14 Millionen Privatkunden in Deutschland haben, zwei Millionen mehr als 2016. Bis sich ein Neukunde bezahlt macht, dauert es der Bank zufolge allerdings 18 Monate.

Erträge fielen trotz steigender Kundenzahl zurück

Zunächst einmal kostet die Kundengewinnung Geld. Daher sind bei den Erträgen - den gesamten Einnahmen der Bank - nach wie vor keine großen Sprünge zu erkennen: Im ersten Quartal blieben die Erträge mit 2,3 Milliarden Euro knapp unter dem Vorjahreswert (2,39 Milliarden Euro).

Die Verwaltungsaufwendungen kletterten im ersten Quartal um 3,8 Prozent auf 1,94 Milliarden Euro. Die Bank steckt viel Geld in die Digitalisierung, zudem musste sie mehr für die Bankenabgabe berappen.

Das Kapitalpolster schrumpfte wegen des Kreditwachstums und der neuen Bilanzierungsregeln (IFRS-9). Mit einer Kernkapitalquote (CET-1) von 13,3 Prozent per Ende März (Ende Dezember: 14,1) verfüge die Bank aber über genügend Spielraum für weiteres Wachstum und eine Dividende.

Im Gesamtjahr 2017 hatte die Commerzbank unter dem Strich gerade einmal 156 Millionen Euro verdient, ein Jahr zuvor waren es 279 Millionen Euro. Negativ zu Buche schlugen im vergangenen Jahr Kosten für den Abbau Tausender Stellen. Bis 2020 soll die Zahl der Vollzeitstellen um netto 7300 auf 36.000 schrumpfen.

rei/dpa/Reuters

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