Montag, 21. August 2017

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Minus 406 Millionen Euro Jobabbau reißt Commerzbank tief in die Verlustzone

Baustelle: Mindestens 7000 Angestellte müssen die Commerzbank verlassen

Der Abbau Tausender Stellen hat die Commerzbank noch tiefer als erwartet in die roten Zahlen gedrückt. Im operativen Geschäft fällt der Gewinn ebenfalls deutlich - auch weil die Kundengewinnung viel Geld kostet. Wie deutlich weniger Kollegen mehr Ertrag erwirtschaften sollen, bleibt indes offen.

Die Kosten für den Abbau von mehr als 7000 Stellen haben die Commerzbank in die Verlustzone gedrückt. Im ersten Halbjahr stand unter dem Strich ein Minus von 406 (Vorjahr: plus 384) Millionen Euro, teilte Deutschlands zweitgrößte börsennotierte Bank am Mittwoch mit.

807 Millionen Euro reservierte das Geldhaus allein für die Stellenstreichungen, nachdem es sich mit den Betriebsräten auf die Konditionen dafür geeinigt hatte. Bis der tiefgreifende Konzernumbau sich auszahlt, dürften aber noch zwei Jahre vergehen. In diesem Jahr werden der Commerzbank nur Sondererträge von 390 Millionen Euro - vor allem aus dem Verkauf der Zentrale in Frankfurt - zu einem kleinen Gewinn verhelfen.

Kundengewinnung kostet viel Geld - operatives Ergebnis sinkt stark

Der Verlust fiel im ersten Halbjahr etwas höher aus als Analysten erwartet hatten. Grund dafür ist ein schwächeres operatives Geschäft. Mit 515 Millionen Euro lag der operative Gewinn um 19 Prozent unter Vorjahr. Das liege auch daran, dass die Bank mehr für die Kundengewinnung und die Digitalisierung des Geschäfts ausgegeben habe, hieß es in der Mitteilung.

Seit dem Start des Umbaus im Oktober habe die Commerzbank mehr als eine halbe Million Kunden gewonnen, 100.000 steuerte die Tochter Comdirect mit der Übernahme des Online-Brokers Onvista bei. "Im Kundenwachstum liegen wir über Plan, auch weil wir investiert haben", sagte Vorstandschef Martin Zielke. "Bis sich das in Ertragswachstum niederschlägt, wird aber noch etwas Zeit vergehen." Normalerweise lohnten sich solche Investitionen in etwa eineinhalb Jahren.

Weniger faule Schiffskredite

Vorangekommen ist die Bank beim Abbau ihrer Schiffskredite. Im ersten Halbjahr sei das Portfolio von fast fünf Milliarden auf 3,9 Milliarden Euro geschrumpft, bis zum Jahresende soll es nur noch drei Milliarden schwer sein. Dabei halbierte sich der Verlust in der Abbau-Sparte auf 115 (251) Millionen Euro. Die Abschreibungen auf faule Kredite halten sich dabei in Grenzen.

Im Konzern rechnet die Commerzbank nun mit einer Risikovorsorge von 800 Millionen Euro. Bisher sollten auf die erwarteten 300 Millionen Euro aus dem operativen Geschäft bis zu 600 Millionen für Schiffskredite hinzukommen. Im ersten Halbjahr stiegen die Rückstellungen leicht auf 362 (335) Millionen Euro.

Sondereffekte könnten Jahresergebnis aufhellen

Finanzvorstand Stephan Engels stellte für das Gesamtjahr ein "leicht positives" Ergebnis in Aussicht. Dazu tragen allerdings Sondereffekte von 390 Millionen Euro bei. 220 Millionen Euro bringt allein der Verkauf des Commerzbank-Towers an den südkoreanischen Samsung-Konzern. Die Bank bleibt aber Mieter in dem höchsten Gebäude Deutschlands, das bisher einem Commerz-Real-Fonds gehörte. Mehr als 80 Millionen Euro erwartet die Bank aus der Auflösung des Ratenkredit-Joint-Ventures mit BNP Paribas. 90 Millionen bringt der Verkauf der Anteile am Kartendienstleister Concardis an die Finanzinvestoren Bain Capital und Advent.

Rei/Reuters

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