Montag, 26. Juni 2017

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Schiffskredite und Abschreibungen belasten Commerzbank-Gewinn bricht um 75 Prozent ein

"Wir können noch nicht zufrieden sein": Coba-Chef Martin Zielke musste für das vergangenen Jahr die Risikovorsorge für faule Schiffskredite auf 900 Millionen erhöhen und den Wert der Investmentbank um rund 630 Millionen Euro abschreiben

Die Commerzbank hat angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen und problematischer Schiffskredite im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient. Der Gewinn brach unterm Strich von knapp 1,1 Milliarden auf 279 Millionen Euro ein, teilte das Geldhaus am Donnerstag in Frankfurt mit.

Er lag damit aber über den Erwartungen der Analysten, die ihr 250 Millionen Euro zugetraut hatten. Dabei schrieb die Commerzbank 627 Millionen Euro auf den Firmenwert ihrer schrumpfenden Investmentbank ab. Kopfzerbrechen macht dem Institut die Krise in der Schifffahrt.

Faule Schiffskredite trieben die Risikovorsorge um mehr als 200 Millionen auf 900 Millionen Euro. Im laufenden Jahr dürften für die Branche weitere 450 Millionen bis 600 Millionen Euro an weiteren Rückstellungen hinzukommen. 2017 fällt auch der erste Teil der Kosten für die massiven Stellenstreichungen zu Buche, die noch mit den Arbeitnehmervertretern ausgehandelt werden müssen.

Als Stütze erwies sich dagegen das Geschäft mit Privat- und kleineren Firmenkunden. Das operative Ergebnis in diesem Bereich stieg binnen Jahresfrist um 3 Prozent auf fast 1,1 Milliarden Euro. Die Bank konnte in Deutschland unter dem Strich 321.000 neue Kunden gewinnen und vergab mehr Kredite. Bis 2020 sollen weitere zwei Millionen Kunden geworben werden. Seit dem Beginn der Offensive Ende 2012 wuchs die Zahl der Privatkunden bereits um 1,1 Millionen.

Geschäft mit Großkunden fällt zurück

Das Geschäft mit größeren Firmenkunden schwächelte dagegen. Das operative Ergebnis sank um fast ein Viertel auf rund 1,3 Milliarden Euro. Als Stabilitätsanker erwiesen sich Mittelstand und deutsche Großkunden.

"Im Jahr 2016 haben wir ein solides Ergebnis erzielt und unsere Kapitalquote weiter verbessert", sagte der seit Mai amtierende Konzernchef Martin Zielke. "Allerdings können wir mit der Ergebnisqualität noch nicht zufrieden sein." Er will deshalb den Umbau samt Tausender Stellenstreichungen wie geplant umsetzen.

Solides viertes Quartal

Das vierte Quartal lief für den Konzern vergleichsweise gut mit 183 Millionen Euro Gewinn - kaum weniger als ein Jahr zuvor. Dabei profitierte die Bank auch von der branchenweiten Einigung im Streit um Altlasten der einstigen österreichischen Krisenbank Hypo Alpe Adria - Stichwort: Heta.

Die Commerzbank stellt sich unter Zielke neu auf. Sie präsentiert sich als klassisches Geldhaus mit Fokus auf Einlagen- und Kreditgeschäft. "Wir wollen die Commerzbank bis 2020 zur wettbewerbsfähigsten Bank in Deutschland machen", sagte Zielke weiter. "Die Ziele, die wir uns gesetzt haben, arbeiten wir nun Schritt für Schritt ab."

Harte Kernkapitalquote legt zu

Der Konzernumbau ist unter anderem verbunden mit der Streichung von 9600 der zuletzt gut 45.000 Vollzeitstellen bis zum Jahr 2020. Zugleich will die Bank 2300 neue Arbeitsplätze in Einheiten im In- und Ausland schaffen.

Zielke will die Bank unabhängiger machen von Schwankungen an den Kapitalmärkten. Dabei hat er erste Erfolge vorzuweisen: Die harte Kernkapitalquote - wichtiger Gradmesser für die Widerstandsfähigkeit einer Bank in schlechten Zeiten - stieg binnen drei Monaten von 11,8 auf 12,3 Prozent. Im laufenden Jahr soll sie stabil bei mindestens 12,0 Prozent liegen.

rei/dpa/Reuters

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